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Lieber Jupiter als Shiva…

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Über meinen letzten Versuch, auf einem Online-Portal einen Übersetzer zu finden…

Da die beiden deutschsprachigen Kollegen, mit denen ich normalerweise im juristischen Bereich in puncto Übersetzungen zusammenarbeite, sich zur falschen Zeit dazu entschieden hatten, ihren Urlaub anzutreten, musste ich heute mal wieder auf einem Übersetzerforum nach tatkräftiger Unterstützung Ausschau halten.

(Für diejenigen, die solche Foren nicht kennen: Dort tummeln sich eine jede Menge Leute, ausgezeichnete Übersetzer, weniger ausgezeichnete und solche, die irgendwo dazwischen liegen. Auch ich habe auf zwei Foren ein Profil.)

Zur Übersetzung stehen insgesamt mehr als 17 000 Wörter an, die in rund acht Tagen geliefert werden müssen. Daher beschloss ich, keine Zeit damit zu verlieren, einige ausgewählte Übersetzer, die mir gut bekannt sind, zu kontaktieren und zu fragen, wer gerade nichts zu tun habe und sich über ein bisschen mehr Arbeit freuen würde.

Ein Jobangebot einstellen und schauen, wer sich meldet, ist da doch erheblich effizienter. Dachte ich mir jedenfalls.
Gesagt, getan.

„Suche Übersetzer im juristischen Bereich, nur Freiberufler mit deutscher Muttersprache, spezialisiert auf Verträge. Abgabe der Übersetzung am 05.05., Übersendung der Dateien am 27.04.“

Jetzt einfach mal warten, was da so hereinkommt.
Übersetzer Nr. 1 arbeitet „regelmässig“ im juristischen Bereich. Nicht schlecht, leider ist die Übersetzung jedoch nicht für die Schweiz und seine Erfahrungen in den Bereichen Fahrzeugtechnik, Brückenbau sowie seine Publikationen über einen der bekanntesten Hersteller von Motorrädern interessieren mich jetzt auch eher weniger. Extrem schlechte Rückmeldungen von Kollegen, die seit Monaten auf ihre wohlverdienten Brötchen (oder eher Euros) warten, geben ihm dann den Rest.

Auch Übersetzerin Nr. 2 scheint es an dem Blick für das wirklich Wichtige zu fehlen. Schön, dass Sie Ihr Abitur in Politik und Kunst abgelegt haben! Wollte ich aber jetzt gar nicht wissen. Um einiges interessanter fände ich dann doch, wie es um Ihre Erfahrung mit juristischen Texten bestellt ist… Nun ja, immerhin hat die Dame mir ihre Grundschulzeit erspart. Übersetzerin 2 ist im Übrigen eine der Kolleginnen, die von Übersetzer Nr. 1 immer noch Geld möchten. (Tja, Leute, die Welt ist klein… Stellt sich die Frage, ob Übersetzerin Nr. 2 eine so schlechte Arbeit abgeliefert hat, dass sie Übersetzer Nr. 1 nicht bezahlen will, oder ob Übersetzer Nr. 1 einfach ein schwarzes Schaf ist, das Übersetzer ohne Bezahlung für sich arbeiten lässt…)

In der Agentur von Übersetzerin Nr. 3 dämmere ich selbst seit fast drei Jahren als Karteileiche vor mich hin. Nachdem ich zwei Seiten Blabla ausgefüllt hatte, wurde ich nie mehr kontaktiert. Nun schreibt mir Nr. 3 also, sie würde sich sehr auf eine Rückmeldung von mir freuen. Blöd nur, dass es in Ihrem konkreten Satz über heißt!

Nr. 4 und Nr. 5 haben schlichtweg überlesen, dass die Ausgangssprache Französisch ist. Schön, dass eure Englischkenntnisse ganz toll sind! Hilft mir aber leider nur wenig, liebe Kollegen. Meinetwegen könntet ihr sogar Chinesisch, Swahili oder irgendeine andere exotische Sprache fließend beherrschen und mit 20 Fingern tippen, für die Übersetzung meines französischen Texts bringt das leider gar nichts…

Antwort Nr. 6 und 7 kommen von zwei Agenturen. Hatte zwar geschrieben, ich arbeite nur mit Freiberuflern zusammen, aber: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Die Antwort hättet ihr euch sparen können. Ich bin eine Frau, die weiß, was sie will, und dazu gehört eine Zusammenarbeit mit einem Low-Cost-Unternehmen im Land der Maharadschas, Tiger und Tempel NICHT.

Frage, die ich mir nach sieben Antworten außerdem stelle: Ist es so schwierig zu verstehen, dass es sich beim 05.05. um den Liefertermin für die fertige Übersetzung handelt? Drücke ich mich so unklar aus?

Nr. 8 versucht sein Glück mit einem Anschreiben auf Englisch. Sorry, wenn ich eine Übersetzung vom Französischen ins Deutsche bestelle, würde ich gerne wissen, wie euer Deutsch so aussieht… „We will not just translate the text but we will edit it with help of our copywriters so that the content is error free and will help you grow in the business.“ Meine 1,59 m reichen mir eigentlich… Copywriter sind eine schöne Sache, brauche ich für den Job aber nicht…

Ein Hoffnungsschimmer am Horizont tut sich mit Antwort Nr. 9 auf. Der erste Kandidat, der die Deadline richtig interpretiert hat. Glückwunsch ins Rheinland!

Nr. 10: „Mit juristischen Übersetzungen habe ich bisher keine Erfahrung. Aber ich kann’s ja mal probieren…“ Ups! Auf den Versuch verzichten wir dann wohl lieber, meinen Sie nicht?

Nr. 11 mangelt es dagegen nicht an Selbstvertrauen: „Meine Übersetzungen sind ausgezeichnet.“ Hört sich doch schon mal besser an! Hoffentlich sind Ihre Kunden derselben Meinung.

Das Telefon klingelt. Meine Rettung naht. Das Wetter hat deutschsprachigem Kollegen Nr. 1 den Urlaub verhagelt oder eher verregnet. Er ist vorzeitig an seinen Computer zurückgekehrt und meldet sich zum Einsatz zurück. Es lebe der europäische Wettergott! Ist mir hundertmal lieber als ein indischer Shiva.

(Bitte nicht falsch verstehen, gegen den Hinduismus habe ich nichts! Solange ihr gute Übersetzungen abliefert und mir nichts von eurem Abitur oder eurer Kindergartenzeit erzählt, könnt ihr an den Gott eurer Wahl glauben oder auch Atheisten sein. Mir völlig egal.)

Foto: https://pixabay.com/de/photos

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2 réflexions sur “Lieber Jupiter als Shiva…

  1. Mon commentaire en lien avec le texte ET la photo : ça décoiffe ! Bravo pour ce “coup de sang” ! Bénédicte

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