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Barrierefreie Texte mit Wow-Effekt durch leichte Bilder (Interview)

Simone Fass arbeitet mit Spezialisten für Leichte Sprache zusammen

Barrierefreie Texte benötigen Spezialisten für Leichte Sprache und eine visuelle Übersetzerin (Interview)

Mit Wow-Effekten verhilft Visuelle Übersetzerin Simone Fass den von Spezialisten für Leichte Sprache erstellten Texten zu mehr Barrierefreiheit. Im folgenden Interview erfährst du mehr über Simone, ihre Ausbildung und ihre Arbeit mit Texten in Leichter Sprache.

Was macht eine visuelle Übersetzerin?

Ich übersetze Worte in Bilder, wenn sie allein zu schwer zu verstehen sind. Ich nenne es auch leichte Bilder für eine leichtere Kommunikation. Dabei verwende ich je nach Textart, Thema, Zielgruppe und Medium verschiedene visuelle Sprachen (Bildstile) und Bildarten. Verschiedene Bildarten können  z. B. Illustrationen, Infografiken und Piktogramme sein. Verschiedene Bildstile können z. B. sachlich verspielt oder kindlich sein.

Meine Rolle ist eine passende Bildsprache und passende Motive zu finden, die leicht verständlich sind. Ich arbeite vor allem im Bildungsbereich und unterstütze Menschen beim Lernen und Lehren mit angemessen gestaltetem Lern- und Lehrmaterial. Z. B. Arbeitsblätter, Präsentationen oder Live-Zeichnen während eines Workshops. Das Illustrieren von Texten in Leichter Sprache und das Live-Zeichnen in Leichten Bildern gehören auch dazu.

Übrigens ist „Visuelle Übersetzerin“ kein fester, offizieller Begriff. Ich habe den Begriff ins Leben gerufen, weil er gut zu meiner Tätigkeit passt.

Danke für den Hinweis. Ich finde ihn sehr gut gewählt! Wie bist du visuelle Übersetzerin geworden?

Ich habe Illustration und Grafikdesign an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig studiert. Diese Hochschule ist spezialisiert auf Buchgestaltung. An der Hochschule habe ich vor allem meine grafischen Grundkenntnisse ausgebaut.

Meine Spezialisierung auf Bilder für leichte Kommunikation kam aber erst NACH dem Studium und vollkommen ungeplant.

Angefangen hat alles mit meinem grundlegenden Interesse für visuelles Dokumentieren. Ich führe schon sehr lange ein visuelles Tagebuch. Nach meinem Studium habe ich zuerst ehrenamtlich im Kulturbereich visuell dokumentiert, musste es aber leider aufgeben aus Mangel an Geld. Da ich das visuelle Dokumentieren aber fortführen wollte, habe ich mir die Frage gestellt: “Wo kann ich genau damit Geld verdienen?” Durch Ausprobieren und Umfragen habe ich herausgefunden, welche Bereiche mich besonders interessieren und mit welchen Leuten ich am besten auskomme (was ja auch wichtig ist).

Ich denke, dass man für das visuelle Übersetzen auf jeden Fall ein grafisches Gefühl haben muss. Ob das in einem Studium oder autodidaktisch erlernt wird, ist meiner Meinung nach unwichtig. Es gehören außerdem noch andere Fähigkeiten dazu, die man überall lernen kann oder einfach charakterbedingt hat. Z. B. sind Soft Skills total wichtig. Empathie gehört v. a. dazu, weil man sich in die Zielgruppe hineinversetzen muss, um gut brauchbares Informationsdesign zu machen.

Leichte Bilder sorgen für mehr Barrierefreiheit

Warum hast du dich dafür entschieden, Texte in Leichter Sprache zu illustrieren? Was gefällt dir an deiner Arbeit mit barrierefreien Texten und Spezialisten für Leichte Sprache besonders?

Ich beschäftige mich schon lange mit vereinfachter Sprache (unabhängig von der offiziellen Leichten Sprache), weil ich viele Texte von Auftraggeberinnen und Auftraggebern auch inhaltlich einfacher strukturieren muss, um sie auch visuell zu ordnen. Dabei hilft mir das Konzept der Leichten Sprache, um Text und Gestaltung so klar wie möglich zu gestalten. Als ich dann auf „echte“ Leichte-Sprache-Texte stieß, war ich regelrecht schockiert von der miserablen visuellen Gestaltung. Warum wird gerade da, wo Design so wichtig ist, kein Wert gelegt auf eine angemessene Gestaltung? Ich sah darin einen riesigen Verbesserungsbedarf und fing deswegen an, mich damit zu beschäftigen. Außerdem verstehe ich die visuelle Reduktion als großes Potenzial. Einengung führt ja nicht nur im Design zu kreativen neuen Ideen. Ich empfinde die strengen Regeln in Leichter Sprache und die damit verbundenen Empfehlungen für visuelle Gestaltung überhaupt nicht als einengend, sondern als kreativen inspirierenden Spielraum.

Außerdem räume ich unglaublich gerne auf, nicht nur in meiner Wohnung, sondern vor allem in einem Text. Ich mag eine klare Bildsprache. In Comics bevorzuge ich z. B. die „ligne claire“ (Tim und Struppi lieber als Asterix). Diese Eigenschaften haben es mir erleichtert, Zugang zu Leichter Sprache zu finden.

Wie entstehen deine Illustrationen für barrierefreie Texte? Fertigst du sie alleine oder mit einer Prüfgruppe an bzw. wie werden sie geprüft?

Es gibt vier Möglichkeiten, leicht verständliche Bilder herzustellen:

  1. Ich zeichne komplett alleine und lasse die Bilder am Schluss von einer Prüfgruppe für Leichte Sprache prüfen.
  2. Ich zeichne die Bilder von Anfang an in Zusammenarbeit mit der Zielgruppe in einem Design-Thinking-Prozess. Alle Schritte werden mit der Zielgruppe abgestimmt, sodass die Bilder an deren Bedarf möglichst genau angepasst sind.
  3. Die Zielgruppe zeichnet die Bilder komplett selber. Meine Rolle dabei: Ich führe durch den Gestaltungsprozess und mache eventuell Schönheitskorrekturen in einem Bildbearbeitungsprogramm, zeichne aber nicht selber.
  4. Ich zeichne komplett alles, die Bilder werden aber nicht geprüft.

Je nach Bedarf, Zeit und vor allem Budget kann eine der vier Vorgehensweisen gewählt werden.

Die Rückmeldungen der Prüferinnen und der Prüfer bringen mich enorm weiter. Änderungen ergeben sich bei meinen Bildern vor allem im Bereich der Motivwahl. Es ist wichtig, Gegenstände und Situationen zu zeigen die einen Bezug haben zur Lebensrealität der Zielgruppe. Da meine Lebensrealität eine andere ist, gibt es da teilweise erhebliche Unterschiede. Deswegen ist es so wichtig, sich Rückmeldung zu holen.

Beispielbilder Simone Fass: Leichte Bilder für Leichte Sprache

Beispielbilder von Visueller Übersetzerin Simone Fass für barrierefreie Texte

 

Welche Leistungen kannst du Übersetzern in Leichte Sprache sowie anderen Kunden noch anbieten?

Neben Illustrationen biete ich auch Textgestaltung an. Um ehrlich zu sein, sehe ich keinen Sinn darin, nur Bilder zu gestalten, wenn Textgestaltung vernachlässigt wird. Deswegen empfehle ich immer, eine Grafikerin oder einen Grafiker für Textgestaltung mit ins Boot zu holen. Eine Alternative kann sein, mit Vorlagen zu arbeiten, die ich dem Auftraggeber oder dem Übersetzer zur Verfügung stelle. Text und Bild spielen immer zusammen. Es ist auch wichtig, dass ein Text gut leserlich und lesbar ist, egal ob für eine Broschüre, ein Plakat oder ein Handout. Dafür müssen z. B. die passende Schrift, das passende Layout und die passenden Schrifteinstellungen gefunden werden.

Für welche Art von Kunden arbeitest du hauptsächlich und wie finden sie dich bzw. du sie?

Ich arbeite viel im Bereich der Inklusion und Integration. Etwa zwei Drittel der Aufträge kommt von größeren Organisationen, ein Drittel von kleinen innovativen Projekten. Auch visualisiere ich immer noch viel in Zusammenarbeit mit Trainern, Trainerinnen und Coaches, für die ich v. a. live visualisiere in Organisationsentwicklungsprozessen oder Trainingsmaterial erstelle. Außerdem bekomme ich Aufträge beim Klett-Verlag für Schulbuchgrafiken.

Ich finde die meisten meiner Auftraggeberinnen und Auftraggeber durch persönlichen Kontakt, Weiterempfehlung oder über meine Social-Media-Kanäle.

Was würdest du einem Kunden sagen, der unschlüssig ist, ob er für seine barrierefreien Texte Bilder von einer Bilddatenbank verwenden oder dich beauftragen soll?

Eine individuelle visuelle Gestaltung ist vor allem dann wichtig, wenn

  • das Projekt eine nachhaltige Wirkung bei der Zielgruppe erzielen soll,
  • der Auftraggeber seine Marke hervorheben möchte,
  • das Projekt umfangreich ist und jemand die Übersicht behalten soll,
  • generell Wert gelegt wird auf Qualität.

Ggf. können Fördergelder beantragt werden.

Bilderbankbilder erfüllen ihren Zweck, wenn

  • die Nutzerinnen und Nutzer sensibel damit umgehen und fähig sind, die Bilder inhaltlich und gestalterisch angemessen zu platzieren,
  • das Budget klein ist,
  • Individualität und Marke keine Rolle spielen.

Wenn du einen Wunsch frei hättest, welches Anliegen im Bereich der Barrierefreiheit würdest du sofort umsetzen?

Ich würde ein barrierefreies Design-Studio eröffnen mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit und ohne Behinderung. Dafür fehlt es gerade aber leider an Startkapital.

Vielen Dank für das Interview!

 

 

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