Seit 2013 bin ich mit Übersetzungen für die Weinbranche unterwegs – zunächst mit Texten für Winzern in der Sprachrichtung Französisch-Deutsch, seit etwa sieben Jahren auch mit Weinübersetzungen aus dem Englischen.
Natürlich habe ich in der Zeit viel über Weinbau, Weinbereitung und auch die Anpassung an den Klima wandelt gelernt. Immer wieder erfahre ich aber auch andere Dinge, die mein Leben als Weinübersetzerin bereichern und die Texte spannend machen. Ein paar Beispiele verrate ich dir in diesem Artikel.
7 Learnings durch Übersetzungen für die Weinbaubranche
#1 Was Yuzu ist
Bis zu einer Übersetzung für einen Weinbaubetrieb in Australien war ich der Meinung, dass Zitrone gleich Zitrone ist. Weit gefehlt! Es gibt zahlreiche Zitronensorten, viele davon stammen aus Italien und Spanien. Zitronen sind nämlich sehr kreuzungs- und mutationsfreudig. Eine Zitronensorte schmeckt besonders köstlich und wesentlich weniger sauer: die Yuzu-Zitrone.
Bei der Yuzu handelt es sich um eine Kreuzung aus zwei Zitronensorten, die es wahrscheinlich schon über tausend Jahre gibt. Vermutlich stammt sie aus China. Heute wird die Yuzu-Zitrone vor allem in Japan angebaut.
Yuzu-Zitronen haben in etwa die Größe eines Tennisballs. Verglichen mit Zitronen, wie wir sie in Europa kennen, hat die Yuzu einen leicht süßlichen, blumigen, aber dennoch säuerlichen Geschmack. In Japan wird der Abrieb der Yuzu gern zum Kochen verwendet.
Die Yuzu-Pflanze wird bis zu 4 Meter hoch und besitzt lange Dornen. Manche Chardonnay-Weine aus Australien weisen neben Noten von Zitronengras, Thai-Basilikum und Lemon Curd auch Aromen von Yuzu-Zitronen auf. Hmmmm, lecker!
#2 Lakritz hat zwei Geschlechter
Kräftige Rotweine, zum Beispiel aus dem Napa Valley in Kalifornien, besitzen oft Noten von Lakritz. Dass „Lakritze“ der Plural von „Lakritz“ ist und kein Singular, habe ich im Rahmen meiner Übersetzungen für die Weinbranche gelernt. Ebenso, dass Lakritz „der“ oder „das“ als Artikel haben kann. „Die Lakritze“ als Singular ist laut Duden umgangssprachlich. Did you know?
#3 Amaro ist ein Kräuterlikör aus Italien
Okay, ich gebe zu, ich bin keine Likörexpertin. Generell trinke ich wenig Alkohol, ab und zu einen Weißwein zu Fisch oder Meeresfrüchten und selten ein Bierchen am Abend. Was Liköre betrifft, kaufe ich mir alle paar Jahre mal einen Eierlikör vom Bauernhof, bevorzugt mit Mandelaroma.
Durch eine meiner letzten Übersetzungen für die Weinbranche habe ich Amaro kennengelernt, einen italienischen Bitterlikör, der durch Zugabe von Zuckersirup zum Kräuterlikör wird. Amari (der Plural von Amaro) werden hergestellt, indem Wurzeln, Rinde, Kräuter, Blüten und manchmal auch Zitrusschalen in Wein oder neutralen Spirituosen mazeriert werden. Das Filtrat reift in Flaschen oder Eichenfässern – mit Zusatz von Zuckersirup.
Noch heute wird Amaro häufig nach alten Rezepten aus dem 17. Jahrhundert erzeugt, die sich bis ins 20. Jahrhundert überliefert haben. Ein bekannter Amaro aus Italien ist Fernet Branca. Rotweine aus dem Bordelais können Noten von Amaro aufweisen.
#4 Ein Wein kann wie Otoro schmecken
Ein anderes Learning aus meinen Übersetzungen für die Weinbranche: Otoro ist der fettreichste Teil des Thunfischbauchs – ein Fleisch, das wegen seines hohen Fettgehalts fast auf der Zunge zerschmilzt. Es schmeckt intensiv süßlich und öffnet die Türen zum Umami.
Das überaus zarte, buttrige Fleisch verwenden japanische Köch*innen für Premium-Ngiri und Sashimi. „Toro“, woraus sich der Name des Fleisches ableitet, bedeutet auf Japanisch übrigens „schmelzen“. Für Otoro existiert auch die Schreibweise O-Toro.
Ein Teil des Thunfischbauchs, der für Sushi perfekt ist und der auch die Augen von Weinfreund*innen zum Strahlen bringt!
#5 Negronne ist eine Feigensorte
Übersetzungen für die Weinbranche sind gleichbedeutend mit mehr Wissen über Früchte, so zum Beispiel über Feigen. Es gibt über 100 Feigensorten. Allesamt stammen sie aus wärmeren Gefilden und sind nicht winterhart. Etwas Frost macht manchen Feigenbäumen jedoch nichts aus. Am Oberrhein und an der Mosel können bestimmte Feigensorten auch draußen überwintern.
Negronne ist eine sehr alte, frostfeste Feigensorte, die kurzzeitig auch Temperaturen von minus 10 °C aushält. Die Negronne-Feige besitzt einen sehr beerigen Geschmack. Sie hat ein rotes, süßes Fruchtfleisch und eine fast schwarze Schale. Bezeichnet wird die Negronne-Feige auch als „Figue de Bordeaux“ (Feige aus Bordeaux).
Ein australischer Cabernet Sauvignon kann zum Beispiel Noten von Negronne-Feigen aufweisen – neben Aromen von Pflaumenmus, Maulbeeren und Schwarzen Johannisbeeren.
#6 Was in Dukkah drin ist
Wenn ich Weinverkostungsnotizen übersetze, stoße ich auch immer wieder auf Gewürzmischungen. Als Hobbyköchin interessieren mich diese natürlich ganz besonders, vor allem, wenn ich sie noch nicht kenne.
Dukkah ist eine afrikanisch-arabische Mischung aus Kräutern, Gewürzen und Nüssen. Sie dient als Panade für Lamm, Hühnchen, Fisch oder Crevetten. Außerdem kann Dukkah Salaten eine interessante Note verleihen.
Relativ feste Bestandteile der Dukkah-Gewürzmischung sind Sesam, Koriander, Kreuzkümmel und Pfeffer. Dazu kommen können Pinienkerne, Majoran, Minze, Kürbis-, Sonnenblumenkerne, Schwarzkümmel oder Thymian.
Aromen von Dukkah finden sich zum Beispiel im Bin 707 des Jahres 2021 von Penfolds.
#7 Wieso viele Grillmeister auf Rub stehen
Okay, ich grille wenig. Wahrscheinlich ist mir auch deshalb Rub erst bei einer Weinübersetzung untergekommen.
Unter einem Rub versteht man eine Gewürzmischung, mit der Grillgut mariniert und verfeinert wird, bevor es auf den Rost kommt. Es handelt sich um einen meist trockenen Mix aus Gewürzen, Salz, Zucker oder Honig, mit der Grillmeister das Fleisch einreiben, um eine besonders gute Kruste zu erhalten.
Die Rub-Technik eignet sich besonders für große Fleischstücke oder Rippchen. Du kannst mit Rubs aber zum Beispiel auch Scampi, Steak oder Fischfilets veredeln. Die trockene Gewürzmischung reibst du mit wenig Druck auf dein Grillgut. Wichtig sind Zucker oder Honig, die beim Grillen karamellisieren.
Wenn du’s scharf willst, kannst du in deinen Rub Chili geben. Solltest du auf exotische Noten stehen, ist gemahlener Ingwer eine gute Option.
Du siehst: Mit meinen Übersetzungen für die Weinbranche lerne ich ganz schön viel – vor allem auch über Früchte, Gewürze, Pflanzen und Speisen. Oft sind Recherchen nötig und manchmal muss ich richtig aufpassen, dass ich mich nicht festlese! Arbeitsbeispiele für Weinübersetzungen findest du auf dieser Seite ganz unten. Mein Team und ich können dir Weinübersetzungen in folgenden Sprachrichtungen liefern: Französisch-Deutsch, Englisch-Deutsch, Deutsch-Französisch, Englisch-Französisch, Französisch-Englisch, Spanisch-Englisch.





