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Übersetzer unterwegs: meine Lieblingsorte in 3 Jahren als Digitalnomadin

Potsdam

Nur etwa fünf Wochen pro Jahr reisen zu können war für mich in meinem Angestelltendasein eine der größten Herausforderungen. Seit ich mich 2013 als Texterin, Korrektorin und Übersetzerin vom Französischen ins Deutsche sowie in Leichte Sprache selbstständig gemacht habe, bin ich daher viel öfter unterwegs, seit 2017 etwa vier Monate pro Jahr. (Wenn meine Tochter nicht in die Schule müsste, wären es vermutlich wesentlich mehr …)

Meine Lieblingsorte der letzten drei Jahre möchte ich euch in diesem Blogartikel vorstellen. Er nimmt an der ü30Blogger-Blogparade Lieblingsorte (egal ob nah oder fern) teil.

 

Übersetzer unterwegs: meine Lieblingsorte 2017 bis 2019

Pornichet

Pornichet

Quasi als Hauptquartier habe ich mir Pornichet, ein Seebad in der Südbretagne, ausgesucht. Der hübsche Ort direkt am Atlantik ist mit einer Größe von etwa 10 000 Einwohnern (50 000 in den Sommermonaten) angenehm klein und versprüht auch 2019 noch den Charme eines Belle-Epoque-Seebads, das sich Ende des 19. Jahrhunderts zu einem der beliebtesten Urlaubsorte für das Pariser Bürgertum sowie das nahegelegene Nantes entwickelt hat.

 

Pornichet Franreich Atlantik

So finden sich in Pornichet immer noch zahlreiche kleinere und größere Villen aus der Zeit der Jahrhundertwende. Die Landschaft um den Ort herum ist ferner grandios. Gemeinsam mit La Baule und Le Pouliguen liegt er an einer der größten und schönsten Buchten der Welt und verfügt außerdem über zahlreiche kleinere Strände und auch das Hinterland hat mit den Salzgärten von Guérande und dem Sumpfgebiet La Brière seinen Charme.

 

Mimosenblüte

Am meisten schätze ich jedoch die grenzenlose Weite, die sich mir hier bietet und die besonders an der Mündung der Loire in Saint Nazaire deutlich wird. Für mich ist die Gegend ein Paradies und das schon seit über 30 Jahren!

Meine Lieblingsbeschäftigung vor Ort: auf dem Weitwanderweg GR34, der die ganze Bretagne umgibt, die Natur genießen. Ein wahres Highlight: die Blüte der Mimosen im Januar/Februar, die die Gegend mit ihren prächtigen gelben Blüten in ein zartes Vanillearoma tauchen.

Baden-Baden

Baden-Baden

Nachdem ich jahrelang auf dem Weg von Frankreich nach Bayern in Baden-Baden vorbeigefahren bin und dort maximal an der Autobahnraststätte gehalten habe, beschloss ich 2018, mir die Orte entlang der A5 zwischen Offenburg und Karlsruhe genauer anzusehen. Absoluter Höhepunkt war dabei für mich die Kurstadt Baden-Baden.

Die schon 2000 Jahre alte Stadt verzaubert mit ihrer Eleganz, ihrem mediterranen Flair und einem mondänen Lebensstil, der sich nicht nur in der prächtigen Architektur der Kuranlagen aus der Jahrhundertwende spiegelt. Man sieht: Ich habe ganz klar ein Faible für die Belle Epoque!

Baden-Baden

Da mein Budget bei monatelangen Reisen nicht unbedingt den Hotelpreisen vor Ort gewachsen ist, steige ich in Baden-Baden übrigens ganz gern in der Jugendherberge ab und esse abends auch mal in der nächsten Dönerbude, von denen es wirklich erstklassige gibt. Besucher, die in der Gegend sind, sollten auch einen Abstecher nach Rastatt unternehmen, wo mit dem dortigen Schloss die früheste Barockresidenz des Oberrheins zu einem Besuch einlädt.

 

Bamberg

Bamberg

Bamberg zählt bereits seit 1998 zu meinen Lieblingsstädten in Bayern. Damals hatte ich als Referendarin eine französische Schülergruppe durch die Hauptstadt des Regierungsbezirks Oberfranken begleitet.

Mit nicht ganz 80 000 Einwohnern bleibt auch dieses hübsche Städtchen überschaubar. Die Altstadt von Bamberg zählt seit 1993 zu den Weltkulturerbestätten der UNESCO, handelt es sich bei ihr doch um einen der größten noch erhaltenen historischen Stadtkerne Deutschlands.

Bamberg bietet keinen Charme der Belle Epoque, sondern Mittelalterflair sowie barocke Prachtbauten. Den meisten dürfte wohl das Bamberger Rathaus bekannt sein, welches sich auf einer künstlich erschaffenen Insel inmitten des Flüsschens Pegnitz befindet und neben viel Fachwerk einen Rokokosaal zu bieten hat.

 

Bamberg

Nicht weniger spektakulär gibt sich die Neue Residenz mit ihren Prachtsälen und ihrer wunderbaren Innenausstattung, welche den Bamberger Fürstbischöfen bis ins Jahr 1802 als Sitz diente. Zuvor residierten die Bischöfe in der Alten Hofhaltung direkt gegenüber, welche heutzutage Historisches Museum und Katharinenkapelle beherbergt. Ein wunderschönes Renaissance-Ensemble, dessen Pforte Pankras Wagner zugeschrieben wird!

 

Bamberg Rathaus

Nach einem Stadtrundgang lädt das Zuckerstück, mein Lieblingscafé in Bamberg, auf einen hausgemachten Kuchen sowie einen portugiesischen Kaffee in einem ganz besonderen Ambiente ein, das v. a. Liebhabern von Antiquitäten gefallen wird.

Bierliebhaber sollten in Bamberg ferner nicht vergessen, sich ein Rauchbier munden zu lassen, eine Bierspezialität, die es nur dort gibt …

 

Bayreuth

Festspielhaus Bayreuth

Bayreuth durfte ich während eines Dolmetscheinsatzes bei den Bayreuther Festspielen im Jahr 2017 entdecken. Die Stadt ist weit über Bayern hinaus als Richard-Wagner-Stadt bekannt, ließ hier doch der berühmte Komponist ab 1873 sein Festspielhaus errichten, das jeden Sommer Besucher aus der ganzen Welt anzieht.

Auch Bayreuth zählt etwa 80 000 Einwohner. Besucher kommen nicht nur aufgrund von Grünem Hügel und Haus Wahnfried, dem ehemaligen Wohnhaus Richard Wagners in den Jahren 1874 und 1883, nach Bayreuth. Auch das Neue Schloss Bayreuth des Markgrafenpaars Friedrich III. und Wilhelmine von Preußen zieht Besucher aus der ganzen Welt an. Den Bayreuther Rokoko kann man jedoch nicht nur hier, sondern auch im Alten Schloss der Eremitage, in der Schlosskirche Bayreuth oder in Schloss Fantaisie (Dorndorf) bewundern.

Villa Wahnfried

Ein weiteres Juwel unter den Bayreuther Bauten ist das Markgräfliche Opernhaus. Erbaut wurde es zwischen 1744 und 1748. Bei dem Barockbau handelt es sich um eines der wenigen im Original erhaltenen Opernbauten des Spätbarocks. Zum Weltkulturerbe wurde es 2012 erhoben.

Bei meinem Bayreuth-Aufenthalt im Sommer 2017 war es leider wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, kann jedoch mittlerweile wieder besichtigt werden. Ein Grund, um demnächst wieder einen Abstecher in diese großartige Stadt zu machen!

 

 

Schloss Bayreuth

Wer die Natur liebt, kann eine Städtetour übrigens gut mit ein paar Tagen im heilklimatischen Kurort Bischofsgrün im Fichtelgebirge verbinden. Ebenso finden sich in Bischofsgrün günstige Unterkünfte, so man nicht direkt in Bayreuth wohnen möchte oder dort z. B. aufgrund der Festspiele keine Zimmer mehr zu bekommen sind!

 

Augsburg

Augsburg Wasserrad

Bei der Aufzählung meiner bayerischen Lieblingsstädte darf natürlich meine Geburtsstadt Augsburg nicht fehlen. Bei ihr handelt es sich mit fast 300 000 Einwohnern um die größte Stadt, die ich euch in diesem Blogartikel vorstelle. Dennoch finde ich die Innenstadt relativ überschaubar, aber vielleicht liegt dies auch daran, dass ich selbst aus der schwäbischen Metropole stamme.

Was ich an Augsburg mag, ist zum einen die Altstadt mit ihren vielen Kanälen und alten Gassen, in denen man flanieren, im Biergarten entspannen oder z. B. Straßenmusik lauschen kann. Eine Oase der Ruhe ist die Augsburger Fuggerei, die älteste Sozialsiedlung der Welt, in der Autos verboten sind.

Ein wirkliches Lieblingsviertel habe ich nicht und hätte meine Mühe, sollte ich mich zwischen Domviertel, Ulrichsviertel, Jakobervorstadt und Bismarckviertel entscheiden. Die letzten Jahre habe ich bei meinen Aufenthalten in Augsburg v. a. Wohnungen von anderen Digitalnomaden gemietet, die ebenfalls gerade unterwegs waren und die (fast) alle in der Jakobervorstadt beheimatet waren.

Fuggerei Augsburg

Zu den Geheimtipps in der Innenstadt, die Nicht-Augsburgern weniger bekannt sind, zählen für mich der Hofgarten, die Wallanlagen am Roten Tor, der Innenhof des Schaezlerpalais und die Stadtmauer. Hier lässt es sich während einer Tour in der Stadt gemütlich sitzen und innehalten.

Was Museen betrifft, hat Augsburg natürlich ebenfalls einiges zu bieten. Eines meiner Lieblingsmuseen ist das tim, das Staatliche Textil- und Industriemuseum, das durch sein interaktives Konzept auch Kindern gefällt. Daneben kann man sich an mehreren Orten über die Geschichte der Fugger informieren, die die Stadt und ihre Entwicklung nachhaltig geprägt haben.

Augustusbrunnen Augsburg

Augsburg ist v. a. eine Stadt der Renaissance und stark vom Wasser dominiert. Die von Elias Holl erbauten Wassertürme am Roten Tor, die Lechkanäle in der Altstadt, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Augsburg und im Umland erbauten Wasserwerke, der Galgenablass im Siebentischwald und viele andere Denkmäler haben der Stadt erst kürzlich die Aufnahme in das Welterbe der UNESCO eingebracht.

 

Potsdam

Potsdam

Das absolute Highlight meiner Reisen in diesem Jahr war Potsdam. Eigentlich wollte ich im Februar dieses Jahres mit meiner Tochter und meinem Stiefvater zwei Wochen in Berlin verbringen. Da wir in Berlin nur für eine gute Woche eine Unterkunft fanden, beschlossen wir, unseren Berlinbesuch mit einem Aufenthalt in Potsdam zu kombinieren.

Und was soll ich sagen? Wir haben es nicht bereut, ganz im Gegenteil! Potsdam hat sich für mich als eine der schönsten und vielfältigsten Städte entpuppt, die ich je besucht habe! Vielleicht mag dies auch daran liegen, dass ich mich auf den Aufenthalt überhaupt nicht vorbereitet, im Vorfeld absolut nichts zur Stadt und ihren Sehenswürdigkeiten gelesen hatte und ich mich daher rumdum positiv überraschen lassen konnte. Jedenfalls war und bin ich von der etwa 180 000 Einwohner großen Hauptstadt Brandenburgs mehr als begeistert.

Potsdam holländisches Viertel

Während wir an Tag 1 das Viertel rund um Landtag (und damit Stadtschloss und Sankt-Nikolai-Kirche) entdeckten, machten wir uns an Tag 2 ins holländische Viertel sowie zum Nauener Tor und an Tag 3 in die Russische Kolonie Alexandrowka auf, stiegen auf den Pfingstberg und folgten dem Geschichtspfad Militärstädtchen Nr. 7, wobei ein Besuch des ehemaligen sowjetischen Untersuchungsgefängnisses Leistikowstraße sehr bedrückend war und auf keinen Fall für Kinder bzw. Jugendliche unter 14 Jahren geeignet ist.

Wer sich für Geschichte interessiert, ist ferner im Cecilienhof gut aufgehoben, wo 1945 die Potsdamer Konferenz stattfand. Wer das im englischen Landhausstil erbaute Schlösschen besucht, sollte sich auch etwas im Park am Heiligen See die Füße vertreten und u. a. das frühklassizistische Marmorpalais besuchen.

Schloss Sanssouci Potsdam

Bei der bekanntesten Potsdamer Sehenswürdigkeit handelt es sich wohl um das Schloss Sanssouci, das Mitte des 18. Jahrhunderts nach den Plänen Friedrich II. erbaut wurde. Obwohl der Besuch im Winter etwas weniger beeindruckt als in den Sommermonaten, ist das Schloss definitiv auch in der kalten Jahreszeit einen Besuch wert. Anreisen sollte man allerdings mit dem Bus oder Fahrrad, der Schlossparkplatz ist nämlich nicht gerade günstig. Gleiches gilt auch für den Eintritt in die Potsdamer Schlösser, der leider wesentlich höher ist als die Preise, die man für Familien v. a. in Bayern gewohnt ist.

Das westliche Ende des Parks von Sanssouci wird vom Neuen Palais geprägt. Für einen Besuch hatten wir während unseres Potsdamaufenthalts jedoch keine Zeit mehr. 5 Tage sind für diese schöne Stadt einfach viel zu kurz! Nächstes Mal plane ich mindestens zwei Wochen ein, gerne einen Monat, zumal die Umgebung auch sehr viel zu bieten hat …

Potsdam Russische Kolonie

Wo man in Potsdam günstig übernachten kann? Für Familien kann ich die kleine Jugendherberge in Babelsberg wärmstens empfehlen. Obwohl sie sich zum Großteil in einem alten Schulgebäude befindet, handelt es sich dabei um eine der besten Jugendherbergen, in der ich in den letzten Jahren auf meinen Trips war. Nicht zuletzt wegen des Frühstücksbuffets, das sogar mit hausgemachten Salaten und Fisch glänzte, und des überaus leckeren, frisch zubereiteten Abendessens, sondern auch aufgrund des tollen Empfangs, durch den wir uns wirklich wie bei Freunden fühlten. Brandenburg halt!

Zu Potsdam hat mir außerdem ein Blogartikel von Urban Meanderer sehr gut gefallen. Lest einfach auch mal rein!

 

 

Wie ich es schaffe, als Übersetzer so viel unterwegs zu sein?

Nun ja, ich reise nicht nur, ich arbeite neben dem Reisen auch und miete mir meist Unterkünfte von anderen Digitalnomaden oder aber Wohnungen auf Zeit, die mit einem privaten Internetanschluss ausgestattet sind und nicht zu Touristenpreisen vermietet werden. Meist finde ich diese über Facebook. Zwischendurch steigen wir auch in Jugendherbergen ab. Urlaub mache ich in der Regel also nur vier Wochen pro Jahr wie jeder andere auch. Ansonsten arbeite ich, auch wenn ich unterwegs bin, mindestens 30 Stunden pro Woche, eher mehr, und erkunde den Rest der Zeit meine provisorische „Heimat“.

Als Übersetzerin vom Französischen ins Deutsche sowie als Texterin und Korrektorin bin ich übrigens u. a. auf Tourismus spezialisiert. So reise ich nicht nur vier Monate im Jahr, sondern ganze zwölf.

Blogparade Lieblingsorte Übersetzer

Vielen Dank an das Bloggernetzwerk ü30 bis ü60+!

Wer an dieser Blogparade teilnehmen möchte, kann dies noch bis Ende Juli 2019 tun.

Sie benötigen einen Text? Dann kontaktieren Sie mich!

Fotos: Andrea Halbritter