Was Agenturen an Übersetzer*innen nervt

Tafel mit der Aufschrift "Teamwork" und in verschiedenen Farben aufgemalten Personen

Ich übersetze nicht nur selbst, sondern manage auch eine kleine Übersetzungsagentur. In diesem Artikel möchte ich dir schildern, was Agenturen an manchen Übersetzer*innen nervt.

Einige Sprachmittler*innen bewegen sich durch ein kontinuierliches Jammertal. Immer weniger Arbeit, sinkende Preise, KI, der Umsatz im Keller … „Kannst du mir helfen, Aufträge für Übersetzungen zu finden?“

Punkte, die Agenturen an Übersetzer*innen nerven

Gleichzeitig arbeiten viele Sprachmittler*innen … schlampig. „Ach, ups, es gab da eine Zeichenbegrenzung?“ Oder: „Sorry, letzte Woche war nicht meine beste. Ich musste meine Mutter pflegen. Da habe ich die Übersetzung wohl etwas schnell angefertigt.“ „Nö, ich hatte keine Zeit, mir das dreiminütige Video vor der Übersetzung anzuschauen. Ja, ich weiß, es wäre wichtig gewesen, um eine passende Übersetzung abzuliefern.“ „Styleguide? Pardon, hatte vergessen, dass der dabei war.“ „Ach, Alex ist in dem Fall ein weiblicher Vorname??? Tut mir leid, ich habe da nicht recherchiert.“ „Geschütztes Leerzeichen? Was ist das und wozu braucht man das?“

Unorganisiert und immer zu spät

Was Agenturen noch an Übersetzer*innen nervt? Gern werden auch Deadlines verpasst beziehungsweise es gelingt nicht, eine Planung aufzustellen und einzuhalten. „5000 Wörter bis nächsten Freitag? Kein Problem, schaffe ich locker. Ist ja eine ganze Woche. Ich habe noch kein anderes Übersetzungsprojekt.“ Und daaaaaaannn ist es plötzlich Donnerstag, ohne dass mit dem Übersetzen begonnen wurde. Freitagmittag folgende E-Mail: „Leider schaffe ich es nicht bis heute Abend. Ich schicke dir die Übersetzung aber spätestens am Montagmittag.“

Hmmm … Ja, okay … Ähm, nicht okay.

Verspätete Abgaben, fehlendes Durchlesen von Styleguides und Arbeitsanweisungen. Schlampige oder nicht vorhandene Recherchen, null Ahnung, wie gendersensible Sprache möglich ist. Im Französischen Partizipien nicht angeglichen, im Deutschen keine Idee, wie eine korrekte s-Schreibung aussieht. Ein Satzbau, der kaum verständlich ist. Kommata nach dem Streuselkuchenprinzip verteilt oder ganz weggelassen.

Schlechte Auftragslage? Kein Wunder!

Dass einige Übersetzer*innen keine Projekte mehr an Land ziehen und immer wieder Kunden verlieren, wundert mich inzwischen nicht mehr. Es liegt nicht nur an KI, sondern auch an der eigenen Einstellung zur Arbeit. Die mangelnde Professionalität setzt sich dann übrigens oft bis zur Rechnungsstellung fort. Manche brauchen drei Anläufe, um eine korrekte Rechnung zu verschicken. Ist es wirklich so schwierig, eine Rechnungsadresse richtig abzutippen??? Und nein, es ist nicht möglich, Rechnungen als Excel-Dateien zu verschicken.

„Betreutes Übersetzen“

Versteh mich nicht falsch, es gibt viele erstklassige Übersetzer*innen. Aber es gibt halt auch die anderen: die, die zwar gut übersetzen, aber ihren Hintern nicht vor den Schreibtisch bekommen. Die, die eigentlich Vorgesetzte brauchen, die ihnen genau sagen, was sie wann wie machen sollen. Und die, die völlig planlos loslegen und sich als Spezialist*in für alles sehen, obwohl sie eigentlich Expert*in für nichts sind. Außerdem die, die immer zwölf bis 24 Stunden brauchen, um Anfragen zu beantworten … Eigentlich ein Wunder, dass sich davon einige bis zum Auftreten von KI recht gut über Wasser halten konnten …

Foto: Pixabay

Frau mit schulterlangen blonden Haaren und grauen Strähnen, blauen Augen, Brille und grauem Mantel

Andrea Halbritter

Andrea Halbritter ist Germanistin mit 2. Staatsexamen und vom Netzwerk Leichte Sprache e. V. zertifiziert. Sie erstellt Texte in Leichter und Einfacher Sprache für NS-Gedenkstätten, Museen, politische Parteien und Gesundheitsbehörden. In den Sprachrichtungen Französisch-Deutsch und Englisch-Deutsch übersetzt Andrea vor allem im Bereich Wein.

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