Wahlprogramm in Leichter Sprache: worauf du beim Titelblatt achten solltest

Tafel mit der Aufschrift "Teamwork" und in verschiedenen Farben aufgemalten Personen

Du bist Orts- oder Kreisvorsitzende*r einer Partei und hast bereits ein Wahlprogramm in Leichter Sprache vorliegen? Das Titelblatt, das dir dein*e Expert*in für Leichte Sprache erstellt hat, findest du aber zu schlicht? Damit bist du nicht allein. Immer wieder erreichen mich Nachrichten, wie folgende: „Vielen Dank für Ihre Arbeit. Der Text gefällt uns gut, aber das Titelblatt für das Wahlprogramm in Leichter Sprache würden wir gern selbst erstellen. Ist das möglich?“

In diesem Beitrag erfährst du, worauf du bei der Gestaltung des Titelblatts eures Leichte-Sprache-Wahlprogramm achten solltest.

7 Tipps für das Titelblatt deines Wahlprogramms in Leichter Sprache

#1 Wähle die Schriftart für das Titelblatt sorgfältig aus

Damit alle Angaben auf der Titelseite deines leicht verständlichen Wahlprogramms gut lesbar sind, solltest du zunächst auf die richtige Schriftart achten. In der Tat gibt es Schriftarten, die wesentlich schlechter lesbar sind als andere. Die meisten Menschen wissen, dass verschnökelte Schriften oder Handschriften schwer zu entziffern sind. Vielen ist jedoch unbekannt, dass es auch andere Schrifttypen in sich haben können. Schwer lesbar sind auch Schriftarten, deren Buchstaben zu eng zusammenstehen, zum Beispiel Arial Narrow oder Bahnschrift Condensed.

Häufige Probleme bei Schrifttypen

Ein häufiges Problem vieler Schriftarten ist, dass sich das große „i“ und das kleine „L“ nicht unterscheiden. Bei anderen ist zwischen dem großen „O“ und der Null kaum ein Unterschied erkennbar. Zu Leseschwierigkeiten kann es jedoch auch bei Buchstaben wie dem „a“, dem „e“ und dem „s“ kommen – weil die Buchstabenöffnungen zu klein sind. Bei einigen Schrifttypen ist vielleicht auch der Buchstabe „g“ schwer zu entziffern.

Auf der sicheren Seite bist du, wenn du in Sachen Typografie auf dem Titelblatt deines Wahlprogramms den Schrifttyp auswählst, für den sich deine Übersetzer*innen in Leichte Sprache im Rest des Programms entschieden haben. Generell ist es sowieso besser, innerhalb eines Schriftstücks in Leichter Sprache nicht zwischen verschiedenen Schriftarten zu variieren.

Beispiele für gut lesbare Schriftarten

Alternativ kannst du auf Schrifttypen zurückgreifen, die für ihre gute Lesbarkeit bekannt sind, zum Beispiel: Calibri, Verdana, Arial oder Tahoma. Für Leichte-Sprache-Texte habe ich lange Zeit Arial verwendet, vor ein paar Jahren bin ich auf Calibri umgestiegen, weil die Buchstaben etwas weniger engstehen.

Du möchtest einen anderen Schrifttyp verwenden? Dann lass dich von deinen Leichte-Sprache-Expert*innen beraten oder bitte sie, die Lesbarkeit der von dir ausgewählten Schriftart mit der Hauptzielgruppe zu testen.

#2 Achte auf einen ausreichenden Kontrast

Die beste Schrift nützt gar nichts, wenn du auf dem Cover deines Wahlprogramms nicht auf einen ausreichenden Kontrast achtest.

Gelb auf Weiß ist zum Beispiel extrem schlecht bis gar nicht lesbar. Einen kostenlosen Kontrastrechner findest du hier.

Gute Kontraste sind auf der Titelseite deines Wahlprogramms in Leichter Sprache nicht nur für Wähler*innen mit Sehbeeinträchtigungen wichtig. Bereits ungünstige Lichtverhältnisse können die Lesbarkeit bei schlechten Kontrasten negativ beeinflussen.

Gute Kontraste werden auf dem Cover oft vernachlässigt

Oft jedoch vernachlässigen Designer*innen Kontraste zugunsten eines angeblich harmonischeren Eindrucks. Ein guter Kontrast muss jedoch nicht bedeuten, dass sich das Cover deines leicht verständlichen Kurzwahlprogramms verstecken kann. Gute Kontraste und schönes Design müssen sich nicht widersprechen.

Text nicht auf Fotos oder Zeichnungen setzen

Gut zu wissen: Kontraste gehen auch verloren, wenn du Text auf Fotos oder Zeichnungen „klatscht“. Bei Wahlprogrammen sehe ich das tatsächlich relativ oft. Befindet sich dein Wording direkt auf einem Foto oder einer Illustration, ist es häufig nicht lesbar. Was du mitteilen möchtest, sollte auf einfarbigem Hintergrund stehen.

#3 Verzichte auf durchgehende Großschreibung

Manche Parteinamen bestehen nur aus Großbuchstaben, zum Beispiel:

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, FREIE WÄHLER, PARTEI MENSCH UMWELT TIERSCHUTZ, BÜNDNIS DEUTSCHLAND

Vielleicht hast du schon beim „Überfliegen“ gemerkt: Durchgehende Großschreibung kann schwer lesbar sein. Manche Personen können durchgehende Großschreibung gar nicht lesen, weshalb sie in Leichter Sprache nicht möglich ist. Ich würde auch in Leichter Sprache Plus, der einfachsten Form Einfacher Sprache, darauf verzichten. Auf dem Titelblatt deines leicht lesbaren Wahlprogramms sollte also stehen:

Bündnis 90/Die Grünen, Freie Wähler, Partei Mensch Umwelt Tierschutz, Bündnis Deutschland.

#4 Der Wiedererkennungseffekt ist in Leichte-Sprache-Wahlprogrammen besonders wichtig

Wie oben schon erwähnt spielen bei der Farbauswahl für das Cover deines Leichte-Sprache-Wahlprogramms Kontraste eine große Rolle. Farben haben aber auch einen Wiedererkennungswert.

Falsche Farbe, falsche Partei

Angenommen, die Farben deiner Partei sind seit Jahren Rot und Blau. Wenn du dich nun für die Titelseite deines Wahlprogramms in Leichter Sprache für Violett und Rosa entscheidest, wird dies irritieren. Insbesondere Menschen mit Lernschwierigkeiten werden sich fragen: Ist das wirklich das Programm der „Partei Rot-Blau“ oder bin ich hier falsch?

In dem Zusammenhang finde ich es auch „mutig“, wie sich die Augsburger CSU im Wahlkampf präsentiert. Statt dem gewohnten Cyanblau prangen auf den Wahlplakaten der CSU Rosa und Violett. Violett ist aber eigentlich die Farbe von Volt.

Ein Camembert darf nicht zur Mimolette werden

Anderes Beispiel: Nehmen wir an, du bist Politiker*in der Partei Camembert. Seit Jahren ist ein Camembert das Erkennungszeichen deiner Partei. Er befindet sich auf Wahlprogrammen, Flyern, Wahlplakaten … Einfach überall! Und wie ein klassischer Camembert ist euer Käse weiß bis cremefarben.

Wenn euer Designer jetzt für frischen Wind sorgen möchte und euren Camembert in Orangetönen umgestaltet, werdet ihr vermutlich mit der Partei Mimolette verwechselt, deren Zeichen ein orangefarbener Käse aus Nordfrankreich ist. See what I mean?

Übertragen wir das auf unsere bestehende Parteienlandschaft, würden gelbe Rosen für die SPD genauso wenig Sinn machen wie Sonnenblumen mit weißen Blütenblättern für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Für Menschen mit Lernschwierigkeiten sind sie eventuell Margeriten.

#5 Der Slogan deiner Partei muss barrierefrei sein

Viele Parteien kreieren für den Wahlkampf ihres Orts- oder Kreisverbandes einen Slogan. Meist soll dieser Slogan dann auch auf das Titelblatt des Wahlprogamms in Leichter Sprache. Viele Slogans, die sich Parteien oder ihre Marketingagenturen so einfallen lassen, sind für die Hauptzielgruppe Leichter Sprache jedoch nicht verständlich. Sie können als solche also nicht in einem Leichte-Sprache-Wahlprogramm stehen – weder auf dem Cover noch sonst wo.

Nicht barrierefreie Slogans in Wahlprogrammen

Diese nicht barrierefreien Slogans von Parteien habe ich heute aus dem Netz „gefischt“:

„Stabilität und Fortschritt: Wir können beides!“

„Grün fängt beim Menschen an!“

„Mehr für Dich. Besser für Deutschland.“

„Soziale Politik für Dich.“

„Gemeinsam München weiterdenken“

„Wieder nach vorne“

Warum sie nicht barrierefrei sind, hat verschiedene Gründe: Slogan Nr. 1 enthält ein Fremdwort und einen recht abstrakten Begriff. Bei Slogan Nr. 2 ist nicht klar, was „Grün“ bedeutet und was der Mensch tun soll/kann. Slogan Nr. 3 lässt offen, wovon es mehr geben soll. Außerdem stellt sich die Hauptzielgruppe vermutlich die Frage: Besser als wer?

Beispiele für barrierearme Slogans in Wahlprogrammen

Etwas besser verständlich, aber noch nicht barrierefrei dürften diese Slogans von Parteien sein:

„Für heute. Für morgen. Für München.“

„Alles lässt sich ändern.“

„Schon viel erreicht – noch viel vor“

Problematisch ist bei Nr. 2 aber zum Beispiel die Passivumschreibung.

Barrierefreie Slogans für Parteien

Barrierefrei und gut verständlich wären zum Beispiel

„Wir machen gute Politik für dich.“

„Gute Politik für dich.“

#6 Frag deine Expert*innen für Leichte Sprache um Rat

Deine Partei möchte die Titelseite eures Wahlprogramms in Leichter Sprache selbst gestalten? Dann informiere deine Übersetzer*innen für Leichte Sprache. Bitte sie um Tipps und zeig ihnen, was ihr vorhabt. Deine Expert*innen können dir sagen, ob euer Titelblatt barrierefrei, barrierearm oder ein No-Go ist. Einige arbeiten auch mit befreundeten Grafiker*innen zusammen.

„Aber … Partei Camembert hat ihren Camembert doch auch orange gefärbt und darauf einen Slogan geklatscht!“ Nur weil andere Ortsverbände das machen, heißt dies nicht, dass ihr Wahlprogramm barrierefrei ist. Viele verändern Titelseiten auch, ohne bei ihren Expert*innen für barrierefreie Kommunikation nachzufragen, und haben dann … den Salat.

#7 Vergiss nicht, die Sprachvariante anzugeben

Denk auch daran, auf deinem Titelblatt anzugeben, dass dein Wahlprogramm in Leichter Sprache verfasst ist. Am besten stellst du auch ein Label dazu, welches auf Leichte Sprache hinweist. Erfrag bei deinen Übersetzer*innen in Leichte Sprache, welches du verwenden kannst. Für jedes Label muss dein Programm nämlich unterschiedliche Voraussetzungen erfüllen.

Achte darauf, dass du Leichte Sprache nicht mit Einfacher Sprache verwechselst. Einfache Sprache ist komplexer. „Leicht verständliche Sprache“ sagt eher wenig aus …

Du brauchst ein Kommunalwahlprogramm in Leichter Sprache? Dann schau dir hier mein Angebot an. Arbeitsbeispiele aus den letzten Jahren findest du hier.

Foto: Pixabay

Frau mit schulterlangen blonden Haaren und grauen Strähnen, blauen Augen, Brille und grauem Mantel

Andrea Halbritter

Andrea Halbritter ist Germanistin mit 2. Staatsexamen und vom Netzwerk Leichte Sprache e. V. zertifiziert. Sie erstellt Texte in Leichter und Einfacher Sprache für NS-Gedenkstätten, Museen, politische Parteien und Gesundheitsbehörden. In den Sprachrichtungen Französisch-Deutsch und Englisch-Deutsch übersetzt Andrea vor allem im Bereich Wein.

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