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7 Argumente gegen ein barrierefreies Wahlprogramm und wie du ihnen begegnen kannst

Barrierefrei geht anders

Du bist Kommunalpolitiker und möchtest deinen Wähler*innen ein barrierefreies Wahlprogramm bieten. Leider stehst du in deinem Ortsverband damit ziemlich alleine da. Die anderen Kandidat*innen auf deiner Liste sind skeptisch.

Im nachfolgenden Artikel zeige ich dir, mit welchen Argumenten gegen ein Wahlprogramm in Einfacher Sprache oder in Leichter Sprache du rechnen solltest. Außerdem erläutere ich dir, wie du diesen Argumenten begegnen kannst.

7 Argumente gegen ein barrierefreies Wahlprogramm und wie du ihnen begegnen kannst

1. “Auch die anderen Parteien haben kein barrierefreies Wahlprogramm”

Richtig ist, dass bei Kommunalwahlen ein Großteil der Wahlprogramme nicht in Leichte Sprache übersetzt wird. Auch nach Wahlprogrammen in Einfacher Sprache suchen Wähler*innen oft vergeblich.

Umso mehr könnt ihr euch mit einem Kurzwahlprogramm in Leichter Sprache oder einer Zusammenfassung eures Wahlprogramms in Einfacher Sprache von anderen Parteien abheben.

Inklusion und Teilhabe finden sich heutzutage in fast jedem Wahlprogramm. Die Wahlprogramme selbst sind jedoch nicht barrierefrei.

Wenn sich dein Ortsverband für ein barrierefreies Wahlprogramm entscheidet, hebt er sich für Menschen, denen Inklusion und Teilhabe ebenfalls wichtig sind, positiv ab.

Die Ortsverbände, für die ich bisher Kurzwahlprogramme in Einfache Sprache übersetzt habe, berichten mir, dass ihre leicht verständlichen Wahlprogramme ganz stark angefragt werden. Vor der Kommunalwahl 2020 in Bayern gehen sie in den größeren Städten fast schon “wie warme Semmeln” weg.

2. “Die bekommen wir nicht verteilt …”

Ein Ortsverband in Unterfranken berichtete mir kürzlich, dass es nicht einfach sei, Wahlprogramme in Leichter Sprache in Papierform an Wähler*innen zu bringen.

Man habe Angst, Wähler*innen in der Fußgängerzone auf Wahlprogramme in Leichter oder Einfacher Sprache anzusprechen. Man befürchte, dass sie sich stigmatisiert fühlten.

Dazu sei gesagt: Wer Texte in Leichter Sprache benötigt, fühlt sich nicht stigmatisiert, wenn ihr ihm bzw. ihr ein leicht verständliches Wahlprogramm anbietet. Wähler*innen, die Lernschwierigkeiten haben oder aus anderen gesundheitlichen Gründen Wahlprogramme in Standarddeutsch nicht verstehen, freuen sich, wenn ihr ihnen diese Alternative anbietet.

Ein Wahlprogramm in Einfacher Sprache oder Leichter Sprache trägt zu Inklusion bei und das wird auch entsprechend geschätzt.

Falls ihr nicht sicher seid, ob euer Gegenüber ein Wahlprogramm in Leichter oder Einfacher Sprache benötigt, dann bietet doch einfach zwei oder drei Wahlprogramme (Standardfassung, Leichte Sprache, Einfache Sprache) an und überlasst eurem Wähler bzw. eurer Wählerin die Entscheidung.

Auch viele Menschen ohne eine Behinderung entscheiden sich für ein barrierearmes Wahlprogramm.

Außerdem könnt ihr es nicht nur in der Fußgängerzone, sondern auch vor Förderwerkstätten sowie im Netz und auf eurer Website verbreiten. Was es dabei zu beachten gibt, erkläre ich dir im Artikel 7 Tipps, mit denen dein Wahlprogramm in leicht verständlicher Sprache gelesen wird.

Wahlprogramme in Leichter Sprache finden sicher weniger Abnehmer als in Einfacher Sprache, aber auch dies lässt sich vor dem Druck ja berücksichtigen.

3. “Ein leicht verständliches Wahlprogramm ist teuer …”

Nein, ein leicht verständliches Wahlprogramm muss nicht teuer sein.

Viele Wahlprogramme in Standarddeutsch umfassen mindestens 40 Seiten.

Eine Übersetzung in Einfache Sprache oder in Leichte Sprache konzentriert sich immer auf das Wesentliche.

Kommunalwahlprogramme, die in Einfache Sprache übersetzt werden sollen, empfehle ich vorher auf maximal 8200 Zeichen (inklusive Leerzeichen) zu reduzieren.

Kurzwahlprogramme, die in Leichte Sprache übertragen werden sollen, dürfen gern noch kürzer sein.

Die meisten Ortsverbände, für die ich bisher gearbeitet habe, haben es geschafft, die zentralen Punkte ihres Wahlprogramms in 3200 bis 6800 Zeichen (inklusive Leerzeichen) zusammenzufassen.

Ein Kurzwahlprogramm in Einfacher Sprache bekommt ihr von mir bei Kommunalwahlen schon ab 219 € zzgl. USt. Mein aktuelles Angebot zur Übertragung von Wahlprogrammen in Einfache Sprache findest du hier.

Die Kosten für Wahlprogramme in Leichter Sprache sind höher, da an der Erstellung des Texts auch eine Prüfgruppe beteiligt ist.

Für die Übersetzung eines 3400 Zeichen umfassenden Wahlprogramms in Leichte Sprache müsst ihr mit mindestens 419 € zzgl. USt. rechnen.

4. “Für die Erstellung eines Kurzwahlprogramms haben wir keine Zeit …”

Meiner Meinung nach sollte jeder Ortsverband ein Kurzwahlprogramm haben. Die wenigsten Wähler*innen sind bereit, sich 20, 40 oder gar 60 Seiten durchzulesen.

Eure Hauptanliegen in einem Kurzwahlprogramm zusammenzufassen oder von Anfang an auf ein eher kurzes Wahlprogramm zu setzen macht also auf jeden Fall Sinn.

Da die Zeit im Wahlkampf aber häufig knapp ist, kann ich euch aber nach euren Angaben vorab selbst ein Kurzwahlprogramm in Standarddeutsch erstellen. Schließlich ist nicht jeder Kandidat ein Profi-Texter und formuliert gern und gut.

Außerdem sind die meisten Kommunalpolitiker ja nicht nur mit der Parteiarbeit beschäftigt, sondern haben nebenzu auch noch einen Job.

5. “Unsere Liste hat gar kein Wahlprogramm …”

Auch dieses Argument ist mir im Kommunalwahlkampf in Bayern immer wieder begegnet und es hat mich zugegebenermaßen sehr überrascht.

Für viele Wähler*innen ist ein Wahlprogramm (und sei es auch noch so kurz) unabdingbar.

Wofür ihr steht, solltet ihr also unbedingt auch schriftlich fixieren und in Form eines Wahlprogramms publik machen.

Als Profi-Texterin stehe ich auch hier jeder Liste gern zur Seite. Und zwar egal, welcher Couleur, ob rechts oder links.

Das Wichtige ist für mich dabei nicht, Parteien einer bestimmten Richtung zu helfen, sondern mehr politische Teilhabe zu ermöglichen und dafür zu sorgen, dass eure Wähler*innen verstehen, was ihr wollt und was nicht.

6. “Unsere Klientel benötigt kein Wahlprogramm in Leichter oder Einfacher Sprache”

Die Zahl der Menschen, die sich ein Kurzwahlprogramm in Leichter Sprache oder ein Wahlprogramm in Einfacher Sprache wünschen, ist weit höher, als viele annehmen.

Wahlprogramme in Leichter Sprache werden nämlich z. B. nicht nur von Migrant*innen und Menschen mit einer geistigen Behinderung besser verstanden, sondern auch von Wähler*innen, die von bestimmten Erkrankungen betroffen sind.

Davon auszugehen, dass sich nur Wähler*innen nicht-konservativer Parteien verständlichere Wahlprogramme wünschen, ist schlicht und ergreifend falsch. Ein Grund, weshalb (fast) alle Parteien bei Landtagswahlen Wahlprogramme in Leichter Sprache anbieten. Und zwar egal, ob sie dem linken Spektrum oder der bürgerlichen Mitte angehören.

Mehr hierzu erfährst du auch in den Artikeln 10 Gründe, das Wahlprogramm deiner Partei in Leichte Sprache zu übersetzen sowie 9 Gründe, dein Wahlprogramm als Politiker*in in Einfacher Sprache anzubieten.

Das Argument, die eigene “Klientel” benötige kein barrierearmes Wahlprogramm zeugt für mich außerdem von einer mangelnden Bereitschaft, politische Teilhabe zu ermöglichen. Es grenzt Menschen bewusst aus, von denen man meint, dass sie einem keinen “Nutzen” bringen.

Es verhindert Inklusion und ist für mich daher mit humanistischen Werten nicht vereinbar. Und für die wollt ihr doch sicher stehen, oder?

7. “Unser Wahlprogramm soll gar nicht komplett verstanden werden …”

Wahlprogramme in Einfacher Sprache und Kurzwahlprogramme in Leichter Sprache sind klar und unmissverständlich.

Sie sind konkret und verstecken nichts. Was euer Ortsverband aus welchen Gründen auch immer schwammig formuliert hat, wird von einem Übersetzer in Leichte Sprache oder einem Dienstleister in Einfacher Sprache ganz klar präsentiert.

Wenn ich ein Wahlprogramm oder ein Parteiprogramm übersetze, muss ich daher teils nachfragen: “Wie meint ihr das genau?” Wie wollt ihr das umsetzen?” “Habt ihr dafür ein Beispiel?” “Wie soll das finanziert werden?”

Von manchen bekomme ich dann zu hören: “Ups! Du hast uns erwischt! Das wissen wir selbst noch nicht so genau.” “Da haben wir uns noch nicht wirklich geeinigt.” “Daran arbeiten wir noch.”

Das ist normal und kommt immer mal wieder vor.

Das Argument “Unser Wahlprogramm soll gar nicht komplett verstanden werden” ist mir bisher noch nicht begegnet.

Übersetzungen in Leichte Sprache oder in Einfache Sprache sind für Parteien, die sich unserer Demokratie gegenüber feindlich verhalten und Werte propagieren, die mit Toleranz nichts zu tun haben, sicher weniger interessant …

Da du als Kommunalpolitiker nach einem Übersetzer für Leichte Sprache oder Einfache Sprache gegoogelt und dich auf meiner Website eingefunden hast, gehörst du aber auch sicher einer Partei an, die weltoffen ist und wirst mit diesem Argument in deiner Partei auch nicht konfrontiert sein.

 

Ein Angebot für die Übersetzung eures Wahlprogramms in Leichte Sprache oder Einfache Sprache erstelle ich dir natürlich gern. Damit kannst du die Mitglieder deines Parteivorstands auch Schwarz auf Weiß davon überzeugen, dass ein leicht verständliches Wahlprogramm kein Vermögen kosten muss.

Foto: © Andrea Halbritter

 

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