Was sind die Aufgaben einer Revision bei einer Übersetzung?

Tafel mit der Aufschrift "Teamwork" und in verschiedenen Farben aufgemalten Personen

Viele meiner Kunden arbeiten mit internen Revisor*innen zusammen. Die Übersetzung selbst vergeben sie an freiberufliche Übersetzer*innen. Die Revision bei fremdsprachlichen Übersetzungen intern vorzunehmen macht durchaus Sinn. Interne Revisor*innen kennen ihr Unternehmen in der Regel gut und sind Spezialist*innen des betreffenden Fachgebiets. Was aber sind eigentlich die Aufgaben einer Revision bei einer Übersetzung?

Aufgaben einer Revision bei einer fremdsprachlichen Übersetzung

Übereifrige Revisor*innen …

In meinem Fall klappt die Zusammenarbeit zwischen mir als freiberuflicher Übersetzerin und firmeninternen Revisor*innen gut. Im Laufe meiner Tätigkeit als Sprachmittlerin konnte ich von Revisionen sehr viel lernen, habe entsprechende Termini, Präferenzen des Kunden, sich wiederholende Sätze in meinem CAT-Tool (Tool für computerassistierte Übersetzung) abgespeichert. Ich weiß also, wie welcher Kunde welches Fachwort gern übersetzt hätte oder welchen Wendungen er stilmäßig den Vorzug gibt.

Doch, ach, oh je! Seit ein paar Wochen arbeitet einer meiner Direktkunden mit einer neuen Revisorin. Bei einer meiner letzten Übersetzungen wurde auf 17 Seiten fast jeder Satz komplett verändert – obwohl im Text einige Sätze enthalten waren, die wir so oder so ähnlich seit über 10 Jahren verwenden.

Die Revisorin hatte es mit ihren Korrekturvorschlägen „zu gut gemeint“ und sogar Termini ausgetauscht, die das Unternehmen seit Jahr und Tag verwendet und die absolut korrekt sind. Kohärenz war für sie ein Fremdwort, sie wollte alles so umkrempeln, dass es ihren Präferenzen entsprach. Offensichtlich kannte sie das Unternehmen auch weniger gut als ich, denn bei der Revision meiner Übersetzung baute sie auch inhaltliche Fehler ein.

Worum sollte es bei der Revision einer Übersetzung gehen?

Was aber sind bei fremdsprachlichen Übersetzungen die Aufgaben von Revisor*innen? Wo fängt Übereifer an und was ist sinnvoll?

#1 Zweisprachiger Abgleich

Zunächst einmal sollte eine Revision bei einer Übersetzung für einen Abgleich zwischen Ausgangs- und Zieltext sorgen. Heißt: Sie sollte sicherstellen, dass der Zieltext – die Übersetzung – die Inhalte des Ausgangstexts wiedergibt und dass zum Beispiel nichts vergessen wurde. Beim zweisprachigen Abgleich sollten Revisor*innen die fremdsprachliche Übersetzung also auf Vollständigkeit, Richtigkeit und Sinnhaftigkeit prüfen.

#2 Fehlerkorrektur im zu revidierenden Text

Zur Revision gehört auch eine Fehlerkorrektur in der zu revidierenden Übersetzung. Dass wenige Fehler passieren ist ganz normal. Manchmal sind sie dem Zeitdruck geschuldet, manchmal Missverständnissen, einem schlechten Ausgangstext, Flüchtigkeitsfehlern, Übermüdung … Wenn für ein Projekt der*die falsche Übersetzer*in ausgewählt wurde, vielleicht auch mangelnder Fachkenntnis, unzureichenden Kenntnissen der Ausgangssprache und so weiter.

Im Rahmen der Fehlerkorrektur nehmen Revisor*innen Zeichensetzung, Rechtschreibung, Grammatik und Satzbau unter die Lupe. Sie erledigen also, was normalerweise als Korrektorat verstanden wird.

#3 Prüfung des Stils der Übersetzung

Im Rahmen einer Revision prüfen meist an der Übersetzung unbeteiligte Sprachmittler*innen aber auch, ob der Stil des zu revidierenden Zieltextes zum Unternehmen passt – oder nicht. Ist dies nicht der Fall, schreiben Revisor*innen ganze Passagen um.

Meist gehören Stilfragen tatsächlich zu den Punkten, die bei Übersetzungen am meisten spalten. Welcher Stil passt zur Marke und ihrer Zielgruppe? Mehr Klarheit kann hier zum Beispiel ein Styleguide schaffen.

Besonders blöd wird es, wenn zwischen mehreren Revisor*innen eines Unternehmens Uneinigkeit herrscht. Oder wenn interne Revisor*innen nach mehreren Jahren wechseln und „der neue Besen gut kehrt“.  Klagen über neue Revisor*innen, die Sätze zuhauf komplett ummodeln, finden sich massenweise im Netz – vor allem auch in der Zusammenarbeit mit Übersetzungsagenturen. Bei einigen Übersetzer*innen schleicht sich da immer wieder der Eindruck ein, dass sich übereifrige Revisor*innen auf ihre Kosten profilieren möchten. Zum Beispiel, weil sie die nächsten Übersetzungen selbst übernommen wollen.

Gute Revisor*innen, die ein Unternehmen bestens kennen, bieten aber tatsächlich auch immer wieder sehr gute Umformulierungsvorschläge an – so jedenfalls meine Erfahrung. Doof wird’s halt, wenn interner Revisor Nummer 2 den Stil von interner Revisorin Nummer 1 nicht mag …

#4 Terminologieprüfung

Ein wichtiger Bestandteil einer Revision bei einer fremdsprachlichen Übersetzung ist auch die Terminologieprüfung. Sie garantiert, dass Übersetzer*innen die richtigen Fachbegriffe verwenden. Außerdem stellt sie sicher, dass kundenspezifische Präferenzen eingehalten werden. Eine Terminologieprüfung sorgt also auch für eine Kohärenz innerhalb verschiedener Texte.

Eine Ausnahme können hier Texte für Websites und Blogs bilden, bei denen aufgrund der Suchmaschinenoptimierung eine Vielfalt an Termini nötig ist.

#5 Durchsicht im Hinblick auf den Verwendungszweck

Wichtig ist auch, Übersetzungen im Hinblick auf ihren Verwendungszweck zu überprüfen. Erfüllt der Text den Zweck, für den er erstellt wurde? Ist er wirklich für die Zielgruppe geeignet? Eignet er sich als Pressemitteilung, Bedienungsanleitung …?

Zusammenfassung: Wozu dient eine Revision bei einer Übersetzung?

Eine Revision, im allgemeinen Sprachgebrauch auch als Korrekturlesen bezeichnet, ist eine Überprüfung des Zieltextes im Vergleich mit seinem Ausgangstext. Ziele sind die Eliminierung von Fehlern sowie die sprachliche und inhaltliche Verbesserung einer Übersetzung.

Gerade bei anspruchsvollen Übersetzungsprojekten ist die Revision essenziell, um Genauigkeit, Vollständigkeit, Richtigkeit und Zielgruppengerechtigkeit eines Textes zu verbessern.

In der Übersetzungsbranche umfasst ein Revisionsprozess weit mehr als die Sicherstellung sprachlicher Korrektheit. Eine Revision garantiert auch Fachgenauigkeit und kulturelle Adaptation.

Macht es für Unternehmen Sinn, Revisionen intern durchzuführen?

Noch einmal ja! Es ist durchaus sinnvoll, Revisionen innerhalb des eigenen Unternehmens durchzuführen. Eine interne Revisionsabteilung zu haben bietet den Vorteil, kontrollieren zu können, welche Texte nach außen gehen. Übersetzungen prägen das Image einer Firma. Sie tragen dazu bei, dass Unternehmen Kunden gewinnen … oder verlieren. (Weshalb es auch keinen Sinn macht, Übersetzungen, welche das Unternehmen verlassen, KI anzuvertrauen … Aber das „steht auf einem anderen Blatt“.)

Welche Voraussetzungen sollten interne Revisor*innen erfüllen?

Interne Revisor*innen müssen ihr Unternehmen und seine Zielgruppe aus dem Effeff kennen. Wenn dein*e Revisor*in erst kurz angeheuert hat, deine Übersetzer*innen aber schon fünf oder noch mehr Jahre regelmäßig für dich arbeiten, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass deine Sprachmittler*innen dein Unternehmen besser kennen als dein*e interne Mitarbeiter*in.

Revisor*innen sollten wirklich Spezialist*innen ihres Fachgebiets sein. Für zweisprachige Revisionen sollten sie auch die Ausgangssprache perfekt beherrschen. Leider setzen Unternehmen für Revisionen von Übersetzungen aber immer wieder Muttersprachler*innen der Zielsprache ein, die die Ausgangssprache nicht sprechen. Heißt: Die Revision findet dann mit der „Umleitung“ über eine andere Übersetzung – zum Beispiel ins Englische – statt. Nicht ideal, vor allem dann nicht, wenn die englische Übersetzung fehlerhaft ist.

Häufig werden Revisionen außerdem Personen anvertraut, die in ihrer eigenen Muttersprache zwar gut formulieren und Fachwortschatz perfekt beherrschen, die aber leider mit Interpunktion und Grammatik „auf Kriegsfuß stehen“. Der revidierte Text sollte also immer noch einmal deinen Übersetzer*innen zugehen, damit sie eventuelle „Verschlimmbesserungen“ aus der Welt schaffen können. (Übersetzerkolleg*innen rate ich dazu, diesen Service nach Aufwand zu berechnen. Manchmal kann da nämlich tatsächlich einiges an Zeit zusammenkommen.)

Und gute Revisor*innen sollten den Mut haben, sich vom Ausgangstext zu lösen. Gerade bei Übersetzungen aus dem Französischen begegnen mir immer mal wieder Korrekturleser*innen, die den französischen Satzbau stets nachahmen – viel Spaß bei Texten mit einer Vielzahl an Partizipien und Gerundien. Haha! Auf Deutsch wird so ein Text bald unlesbar.

Was ist der Unterschied zwischen Revision und Korrektorat?

Ein Korrektorat findet im Unterschied zu einer Revision nur einsprachig statt. Da die Terminologie in dem Bereich ziemlich durcheinander geht, solltest du daher immer genau erklären, was du als Kunde erwartest oder als Übersetzer*in anbietest.

Begriffe wie Proofreading und Revision werden teils auch im Englischen synonym verwendet. Eigentlich meint Proofreading den einsprachigen Check-up, also das Korrektorat, und Revision den Abgleich von Ausgangs- und Zieltext.

Ist eine Revision immer wichtig?

Ehrlich gesagt nein. Eine Revision setzt voraus, dass der*die Revisor*in besser ist als der*die Übersetzer*in. Auch erhöht eine Revision den Übersetzungspreis in der Regel um etwa 50 Prozent. Wenn du ein Vier-Augen-Prinzip beauftragen möchtest, weil du zum Beispiel keine internen Revisor*innen stellen kannst, solltest du also überlegen, ob dies wirklich nötig ist. Argumente sind zum Beispiel: Deine Firma ist im Luxussegment unterwegs, dein Text muss perfekt passen. Du hast noch nie mit der*dem entsprechenden Übersetzer*in zusammengearbeitet. Dein Text ist sehr schwierig.

Wichtiger ist aus meiner Sicht, den*die richtige Übersetzer*in für dein Projekt auszuwählen. Tipps, wie du deine Übersetzer*innen auswählen solltest findest du hier. Und vielleicht interessiert dich auch der Artikel Vier-Augen-Prinzip – ja oder nein?

Ein*e erstklassige Übersetzer*in ist immer besser als … zwei mittelmäßige Dienstleister*innen, die sich Übersetzung und Revision aufteilen.

Frau mit schulterlangen blonden Haaren und grauen Strähnen, blauen Augen, Brille und grauem Mantel

Andrea Halbritter

Andrea Halbritter ist Germanistin mit 2. Staatsexamen und vom Netzwerk Leichte Sprache e. V. zertifiziert. Sie erstellt Texte in Leichter und Einfacher Sprache für NS-Gedenkstätten, Museen, politische Parteien und Gesundheitsbehörden. In den Sprachrichtungen Französisch-Deutsch und Englisch-Deutsch übersetzt Andrea vor allem im Bereich Wein.

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