7 Punkte zur Verwendung von Farben in Leichter Sprache

Tafel mit der Aufschrift "Teamwork" und in verschiedenen Farben aufgemalten Personen

„Muss das wirklich in Rot sein?“ – „Können wir nicht einfach alles in Schwarz machen?“ – „Müssen wir in Leichter Sprache wirklich bestimmte Begriffe farblich hervorheben? Wir haben auch schon Leichte-Sprache-Texte ohne Farben gesehen.“

Wenn du diesen Blogartikel liest, lernst du interessante Facts über die Verwendung von Farbe in Leichter Sprache.

7 interessante Fakten über Farben in Leichte-Sprache-Texten

Leichte Sprache richtet sich vor allem an Menschen mit anderen Lernmöglichkeiten, zum Beispiel an Personen mit Down-Syndrom. Außerdem eignet sich Leichte Sprache für Menschen, die zeitweise oder dauerhaft aufgrund eines Unfalls, einer Operation oder einer Erkrankung besonders leicht verständliches Deutsch benötigen.

Leichte Sprache hat klare Regeln

Um einen hohen Grad der Verständlichkeit zu gewährleisten, ist Leichte Sprache streng reglementiert. Das betrifft auch das Layout. Generell gilt: Nur weil du irgendwann einmal einen Text mit Leichte-Sprache-Label gesehen hast, in dem irgendetwas anders war, heißt dies nicht, dass man dies oder jenes wirklich so machen kann. Tatsächlich behaupten sehr viele Texte von sich, Leichte Sprache zu sein. Sie erfüllen die Kriterien jedoch nicht – aus unterschiedlichen Gründen.

Für Leichte Sprache gibt es unterschiedliche Regelwerke, die sich aber alle ähneln. Im März 2025 ist sogar eine Vornorm mit „Empfehlungen für Deutsche Leichte Sprache“ erschienen. Wie sieht’s in Regelwerken zu Leichter Sprache mit Farben aus? Und wie sind die Erfahrungen mit Prüfgruppen und Farben? Wie triffst du für Leichte-Sprache-Texte die richtige Farbauswahl?

#1 Farben motivieren, den Leichte-Sprache-Text zu lesen

Farben haben in Leichte-Sprache-Texten verschiedene Aufgaben. Zum einen motivieren sie dazu, überhaupt erst mit dem Lesen eines Textes zu beginnen. Sie sorgen also dafür, dass der Einstieg in die Lektüre stattfindet. Ein Fakt, den zum Beispiel auch die DIN-Vornorm für Leichte Sprache in Punkt 6.6.6 („Tonwerte und Farben“) ihres Regelwerks betont.

#2 Farben machen auf Texte aufmerksam

Durch den Einsatz von Farben werden Leser*innen auf Texte aufmerksam. Auch das ist keine neue Erkenntnis – sonst würde allen voran die BILD-Zeitung nicht seit Jahrzehnten auf Headlines in ungewöhnlichen Farben oder auf auffälligen Hintergrundfarben setzen: Lila, Grün, Gelb, Rot …

#3 Farben markieren wichtige Begriffe

Farben heben aber nicht nur Überschriften hervor. Auch wichtige Begriffe fallen durch den Einsatz von Farbe mehr auf – allerdings nur, wenn du in deinem Leichte-Sprache-Text nicht zu viele Wörter farbig markierst. Deshalb heißt es in der DIN SPEC 33429 „Empfehlungen für Leichte Deutsche Sprache“ im Hinblick auf den Einsatz von Farben auch:

„In Leichte-Sprache-Texten sollten farbliche Markierungen sparsam eingesetzt werden.“

Farben in Leichte-Sprache-Texten sparsam verwenden

„Sparsam eingesetzt“ bedeutet hier nicht, dass deine Übersetzer*innen in Leichte Sprache darauf verzichten, Begriffe farblich hervorzuheben. Es heißt, dass sie sich gemeinsam mit ihren Prüfer*innen gut überlegen, welcher Begriff farblich hervorgehoben werden sollte und welcher nicht.

Entscheiden sollten sich Übersetzer*innen und Texter*innen hier immer für wichtige Begriffe, die zeigen, um welches Thema es sich im jeweiligen Abschnitt handelt. Dies gibt den Leser*innen Orientierung und hilft ihnen, sofort zu sehen, um was es „ganz grob“ geht.

Meine Erfahrung mit Prüfgruppen (und auch die anderer mir bekannter Übersetzer*innen in Leichter Sprache mit ihren Prüfer*innen) ist allerdings, dass es gilt, die Prüfer*innen in Bezug auf den Einsatz von Farbe etwas zu bremsen. Manche Vertreter*innen der Hauptzielgruppe Leichter Sprache plädieren in der Tat für einen sehr starken Einsatz von Farbe. Sie lieben es, Begriffe farbig hervorzuheben. Wenn aber alles Rot, Grün oder Blau ist, stechen einzelne Wörter nicht mehr heraus.

#4 Farben als zusätzliches „Instrument“ in Leichte-Sprache-Texten

Farbe ist ein Element, um in Leichter Sprache Wichtiges hervorzuheben. Dies betont die DIN-Vornorm ebenfalls:

„[Farbige Markierungen] eignen sich gut als Ergänzungen zu anderen Auszeichnungen.“

Was ist damit gemeint? Auszeichnungsarten im Lesetext sind zum Beispiel Schriftgröße, Schriftart, Fettdruck, kursiver Schriftschnitt, halbfetter Schriftschnitt und Unterstreichungen. Außerdem kannst du einen Text strukturieren, indem du Rahmen oder Überschriften verwendest. Du kannst Aufzählungspunkte einbauen oder Text mit einer hellen Farbe hinterlegen.

Die DIN SPEC 33429 bemerkt in 6.4: „Wichtige Sachverhalte sollten durch Auszeichnungen hervorgehoben werden.” Sie sieht dabei mehr Auszeichnungsarten vor als das Regelwerk des Netzwerks Leichte Sprache e. V., welches zum Beispiel Kursivdruck ablehnt.

#5 Schwarzen Fettdruck für Themenwörter vermeiden

Wäre es dann möglich, wichtige Begriffe, die auf Themen hinweisen, einfach nur durch schwarzen Fettdruck hervorzuheben?

Aus meiner Sicht nein. Fettdruck ist in Leichter Sprache schon anderweitig „belegt“. Er muss verwendet werden, um Verneinungen zu kennzeichnen. In Fettdruck erscheinen Wörter wie „nie“, „keiner“ und „nicht“ – so sie Übersetzer*innen nicht vermeiden können. Denn Leichte Sprache sollte so weit wie möglich auf Verneinungen verzichten. Ebenso macht es Sinn, Wörter wie „weniger“ und „mehr“ mit Fettdruck zu kennzeichnen, in seltenen Fällen auch „und“ beziehungsweise „oder“.  Zwar räumt das Netzwerk Leichte Sprache e. V. auch die Möglichkeit ein, Negationspartikel statt mit Fettdruck durch Unterstreichungen hervorzuheben. Vor allem im Netz würde ich dazu aber nicht raten, weil unterstrichene Wörter als Links gedeutet werden können.

Wichtige Wörter, die in meinen Leichte-Sprache-Texten die Themen eines Abschnitts oder Kapitels angeben, markiere ich dabei farbig (und meist gleichzeitig per Fettdruck). So fallen sie schön ins Auge.

#5 Kunterbunt sollte der Leichte-Sprache-Text nicht sein

Also: Die Verwendung von Farbe ist in Leichte-Sprache-Texten wichtig. Allerdings solltest du keinen kunterbunten Mix aus verschiedenen Farben bieten. Es ist verwirrend und unübersichtlich, wenn du in Abschnitt 1 alle wichtigen Begriffe rot, in Abschnitt 2 alles Wichtige grün markierst und du in Abschnitt 3 vielleicht noch eine andere Farbe verwendest.

Entscheide dich in deinem Leichte-Sprache-Text für EINE Farbe

Idealerweise markieren Übersetzer*innen in Leichte Sprache in einem Dokument die wichtigsten Begriffe in derselben Farbe. So ist den Leser*innen klar: Wenn eine bestimmte Farbe auftaucht, kündigt sie ein neues Thema an/hebt sie besonders Wichtiges hervor.

Wenn du in Leichter Sprache verschiedene Farben verwendest, fragen sich Vertreter*innen der Hauptzielgruppe (und sicher auch andere Leser*innen): Bedeutet Rot etwas anderes als Blau? Weshalb findet hier ein Farbwechsel statt?

Ich verwende dieselbe Farbe tatsächlich auch für die Überschriften und habe damit gute Erfahrungen gemacht. Es ist nach DIN-Vornorm möglich, in Leichte-Sprache-Texten für Überschriften eine weitere Farbe zu wählen – ebenso wie du dir für Überschriften eine andere gut lesbare Schriftart aussuchen kannst. In Bezug auf Schriften raten die Netzwerk-Regeln jedoch: „Benutzen Sie am besten nur eine Schrift-Art. Mehrere Schrift-Arten verwirren.“

#6 Farbige Wörter müssen gut lesbar sein

Farben dienen in Leichter Sprache dazu, Wörter hervorzuheben. Damit dies gelingt, ist wichtig, dass du die richtigen Farben wählst. Die Netzwerk-Regeln schreiben dazu: „Nehmen Sie eine andere dunkle Schrift-Farbe.”

Die DIN SPEC 33429 erläutert: „In Leichte-Sprache-Texten sollten grundsätzlich die Anforderungen aus DIN 1450 [1] und die Anforderungen zur barrierefreien Gestaltung von Leuchtdichte, Farbe, Kontrast und Reflexion aus DIN-Fachbericht 124:2002 , 6.1.2.2 [3] beachtet werden.“

Gute Kontraste sind in Leichter Sprache besonders wichtig

Insbesondere das Kontrastverhältnis hat einen großen Einfluss auf die Lesbarkeit von Leichte-Sprache-Texten – egal, ob es um Webtexte, Printtexte, Grafiken oder was auch immer geht. Ein ausreichender Kontrast von Hintergrund und Schrift ist wichtig, damit Nutzer*innen Inhalte gut lesen können – zumal viele Menschen aus der Hauptzielgruppe Leichter Sprache auch sehbehindert sind.

Die WCAG 2.2 legt fest, dass „normale Texte“ einen Kontrast von mindestens 4,5:1 haben müssen. „Normale Texte“ sind Texte mit Buchstabengrößen, die kleiner als 18pt sind. In Leichte-Sprache-Texten solltest du deine Kontraste möglichst nah an 7:1 bringen. Bei großen Überschriften kann das Kontrastverhältnis niedriger sein.

Flimmerkontraste solltest du vermeiden

Zu flashy oder zu stark sollte dein Kontrast allerdings auch nicht sein. Vor allem für reizempfindliche Personen zum Beispiel aus dem Autismusspektrum beginnt dein Text sonst zu flimmern. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn zwei sehr leuchtstarke Farben aufeinandertreffen (zum Beispiel Weiß auf schwarzem Hintergrund), die sich in ihrer Leuchtdichte kaum, in ihrer Farbe aber stark unterscheiden. Flimmerkontraste solltest du also vermeiden!

Als Hintergrundfarbe wählst du für deinen Leichte-Sprache-Text am besten Weiß. Die Netzwerk-Regeln schreiben hierzu: „Benutzen Sie dunkle Schrift. Und helles Papier.“ Auf Fotos oder andere Bilder solltest du keine Schrift setzen.

#7 Muss es immer eine bestimmte Farbe sein?

Nein – vorausgesetzt, du berücksichtigst die Punkte 5 und 6 in diesem Blogartikel zu Farben in Leichter Sprache. Natürlich sollte die Farbgebung in deinem Leichte-Sprache-Text zum Corporate Design deiner Marke passen.

Übersetzer*innen in Leichte Sprache können also aus den Farben wählen, die du sonst so in deiner Kommunikation benutzt – falls sie ausreichend Kontrast bieten. Wenn nicht, kann aber vielleicht „nachgedunkelt“ werden, sodass ein gutes Kontrastverhältnis entsteht.

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Frau mit schulterlangen blonden Haaren und grauen Strähnen, blauen Augen, Brille und grauem Mantel

Andrea Halbritter

Andrea ist Romanistin und Germanistin mit 2. Staatsexamen und vom Netzwerk Leichte Sprache e. V. zertifizierte Übersetzerin. Sie ist Texterin und Übersetzerin in Leichte und Einfache Sprache. Andrea ist auf Wahlprogramme und politische Bildung spezialisiert und freut sich, wenn sie auch dir helfen kann, barrierefrei zu kommunizieren.

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