Meine Physiopraxis ist gut besucht. Mich sieht sie regelmäßig mit meinem Übersetzer-Golfer-Arm ☹ Wer in der Praxis einen Termin möchte, muss zwei Monate warten. Bei bestimmten Leistungen herrscht sogar Aufnahmestopp. Was das mit Übersetzungsdienstleistungen zu tun hat? Lies weiter und du erfährst, was du in Sachen Marketing von meiner KG-Praxis lernen kannst …
Marketing-Tipps für Übersetzer*innen oder mach’s wie meine KG-Praxis
Als ich heute zwischen zwei Übersetzungsprojekten in meiner Physiopraxis zum Training war, hielt sich dort ein Kameramann auf. Mit der Juniorchefin und drei Angestellten drehte er einen Werbefilm und schoss Fotos. Und das ist auch schon der erste Marketing-Tipp für Übersetzer*innen, den du von dieser KG-Praxis lernen kannst:
#1 Betreib als Übersetzer*in konstant Akquise
Die Akquise solltest du als Übersetzer*in auch dann nicht sausen lassen, wenn du in Aufträgen fast erstickst. Kunden verlierst du im Laufe deiner Übersetzer-Karriere aus unterschiedlichsten Gründen immer wieder: Betriebe gehen pleite, konzentrieren sich auf andere Gebiete. Der Branche deines Übersetzungskunden geht’s schlecht, dein Ansprechpartner für Übersetzungen geht in Rente, wechselt … Für dich als Übersetzer*in ist es daher wichtig, regelmäßig Akquise zu betreiben.
#2 Nutz für deine Akquise verschiedene Kanäle
Natürlich solltest du dich als freiberufliche*r Übersetzer*in nicht zu Akquise-Methoden zwingen, die dir nicht liegen. Mein Marketing-Tipp Nummer 2 für dich lautet aber: Mach es wie mein Physiotherapeut und setz in Sachen Kundengewinnung auf verschiedene Kanäle. Meine KG-Praxis ist auf Social Media unterwegs, hat eine gutgemachte Website und ist mit Werbefilmchen im Augsburger Patientenfernsehen präsent. Außerdem setzt sie noch ganz klassisch auf Flyer in der Print-Version, die sie in benachbarten Praxen und Apotheken verteilt.
Marketing-Tipp: Finde die zu dir und deinen Kunden passenden Kanäle
Nun wirst du als Übersetzer*in sicher kaum Kunden an Land ziehen, indem du Flyer beim Bäcker oder Metzger auslegst. Deine Kunden sind aber vermutlich auch nicht Opa Willibald, der dort einkauft und nach einem Sturz Krankengymnastik zur Mobilisierung braucht. Überleg dir, wo deine Kunden unterwegs sind und wie du sie am besten erreichst: auf Messen, LinkedIn, Networking-Veranstaltungen, Fortbildungen, mit einem Übersetzerblog …?
#3 Wähle die richtige Location für dein Übersetzungsbüro
Meine KG-Praxis ist in einem Gebäude mit vier Arztpraxen, einem Podologen, einer Beratungsstelle für Behinderte und einem Optiker angesiedelt. Allein von daher bekommt sie quasi „Laufkundschaft“. Patient*innen, die den Allgemeinarzt mit einem Rezept für Massage oder Krankengymnastik verlassen, wenden sich automatisch an die Physiopraxis im selben Haus.
Der richtige Ort für Laufkundschaft und Networking
Mein Marketing-Tipp Nummer 3 für dich als Übersetzer*in lautet daher: Wenn du nicht von zuhause aus arbeitest, sondern ein Büro mietest, solltest du dich fragen: Was wäre ein guter Ort, um direkt aus der „Nachbarschaft“ Kunden für Übersetzungen zu bekommen? Für Übersetzer*innen, die im Bereich Jura unterwegs sind, ist dies eventuell ein Gebäude mit einer großen Anwaltskanzlei und einem Notariat. Marketing-Übersetzer*innen können dagegen von einer Marketing-Agentur oder einer gutgehenden Webagentur Aufträge bekommen. Sinnvoll kann es für dich als Freiberufler*in auch sein, dich fest in einem Co-Working-Space einzumieten.
#4 Marketing-Tipp für Übersetzer*innen: Schließ Kooperationen ab
Kooperationen gehen über das Auslegen von Flyern hinaus. Überleg dir, welche Dienstleister in ähnlichen Bereichen aktiv sind wie du. Bietest du Serviceleistungen an, die ihr Angebot gut ergänzen? Könnt ihr vielleicht gemeinsam Kundenaufträge übernehmen oder eure Sichtbarkeit gegenseitig erhöhen?
Meine KG-Praxis organisiert in ihren Räumlichkeiten regelmäßig Vorträge, zu denen andere Akteur*innen aus dem Gesundheitsbereich eingeladen sind – Ergotherapeut*innen, Apotheker*innen, Kosmetiker*innen …
#5 Biete als Übersetzer*in Zusatzleistungen an
Sehr gewieft ist der Seniorchef meiner KG-Praxis auch im Kreieren von Zusatzleistungen, die seine Kundschaft ebenfalls interessieren könnten: 10er-Karte fürs eigenständige Training an Geräten, Entfernen von Altersflecken, Akkupunktur, QiGong-Kurs, Abnehmgruppe … Diese Leistungen bewirbt er so, dass sie alle Patient*innen kennen: per Aushang, durch direktes Ansprechen, in E-Mails …
Was könntest du deinen Kunden als Übersetzer*in noch anbieten? Mein Marketing-Tipp für dich: Finde heraus, wo sie der Schuh drückt. Biete Lösungen an und sprich darüber!
#6 Marketing-Tipp für Übersetzer*innen: „Pakete“
Seit neuestem verkauft meine KG-Praxis Kombipakete, zum Beispiel manuelle und maschinelle Lymphdrainage oder Saunabesuch und Ergometer-Nutzung. „Pakete“ können auch für Übersetzungskunden interessant sein. Was für Pakete könntest du für deine Kunden schnüren? Wäre für Stammkunden vielleicht eine Entsprechung zur 10er-Karte interessant? Was könnte das sein?
#7 Sorg für einen Wohlfühl-Effekt
Kunden sollten sich bei ihren Dienstleistern gut aufgehoben und wohlfühlen. Meine Physiopraxis sorgt mit zahlreichen Maßnahmen dafür, dass sich Patient*innen wohlfühlen, zum Beispiel: mit Wasserspendern, die für alle da sind; mit Weihnachts- und Frühlingsdeko; mit einer Klimaanlage im Sommer, Sonnenjalousien, einem Blumenstrauß am Empfang, Decken für „Verfrorene“ …
Biete analog und digital eine angenehme Atmosphäre
Was kannst du als Übersetzer*in tun, damit sich deine Kunden gern an dich wenden? Spontan fallen mir ein: schnelle, freundliche Antworten auf Anfragen, Kennenlerntermine per Zoom oder Teams, eine barrierearme Website, Eingehen auf Sonderwünsche, Pünktlichkeit, Kompetenz … Vielleicht auch mal ein gemeinsamer Kaffee, wenn du in derselben Stadt bist. „Ein schönes Wochenende“ ist nicht nur eine nette Geste, wenn der Patient die Praxis verlässt. Eine solche Verabschiedung macht auch Freude, wenn du als Übersetzer*in am Freitag um 16 Uhr eine E-Mail rausschickst.
Marketing-Tipps für Übersetzer*innen
Vielleicht bist du ja auch regelmäßig in einer Praxis oder anderswo zu Gast. Ich bin überzeugt: Von Dienstleistern in anderen Bereichen können sich Übersetzer*innen ganz viel abschneiden und Inspiration holen – zum Beispiel für ihr Marketing. Und vielleicht begegnet dir ab und zu auch ein Negativbeispiel, das du in deinem Übersetzungsbusiness nicht nachahmen möchtest.





