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Leichte Sprache: Wie erkennt man leichte Wörter?

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Leichte Sprache: 8 Punkte, an denen man leichte Wörter erkennt

Der Wortschatz einer Sprache gliedert sich in verschiedene Wortfelder. Diese beinhalten sinnverwandte Wörter. Für eine Verwendung in Leichter Sprache eignen sich nicht alle Wörter eines Wortfelds.

Zum Wortfeld gehen z. B. gehören laufen, wandern, spazieren, rennen, stolzieren, schreiten, bummeln, tänzeln, humpeln, sich vom Acker machen

In das Wortfeld sagen lassen sich z. B. reden, hinzufügen, stottern, nuscheln, entgegnen, erläutern, petzen, bemerken, daherschwätzen und labern einordnen.

Wie aber erkennt man, bei welchen Vertretern eines Wortfelds es sich um leichte Wörter handelt? Welche Wörter kann man in Leichter Sprache verwenden, welche nicht?

Leichte Sprache: Welche Wörter eignen sich?

Für einen Gebrauch in Leichter Sprache sind die Hauptvertreter eines Wortfelds besonders geeignet. Diese erkennt man beispielsweise an folgenden Punkten:

  • Ihre Frequenz ist hoch, das heißt, sie werden recht häufig verwendet.
  • Sie werden früh gelernt.
  • Sie weisen kaum oder sogar überhaupt keine Nebenbedeutungen auf, sie sind also z. B. nicht negativ konnotiert.
  • Sie können sowohl im Mündlichen als auch im Schriftlichen verwendet werden.
  • Sie werden stilistisch als neutral empfunden, mit ihnen lassen sich keine besonderen Stileffekte erzielen.
  • Sie bedienen sich keiner Bilder.
  • Es handelt sich in der Regel um eher kurze Wörter.
  • Sie können problemlos viele der anderen Vertreter des Wortfelds ersetzen.

 

Häufigkeit

Wie häufig ein Wort ist, kann man z. B. auf Duden online überprüfen. Sehr häufig verwendete Wörter bekommen dort fünf Punkte, sehr seltene nur einen.

Was die oben angeführten Wortfelder betrifft, verhält sich die Häufigkeit nach Duden wie folgt:

  • gehen (5), laufen (4), wandern (3), spazieren (3), rennen (3), stolzieren (2), schreiten (3), bummeln (2), tänzeln (2), humpeln (2), sich vom Acker machen (keine Häufigkeit angegeben)
  • reden (4), sagen (5), hinzufügen (3), stottern (2), nuscheln (2), entgegnen (3), erläutern (3), petzen (2), bemerken (3), daherschwätzen (1), labern (2), sprechen (4), verbalisieren (2)

Hauptvertreter wären demnach gehen und laufen sowie reden, sagen und sprechen.

Nebenbedeutungen

Wörter mit Nebenbedeutungen eignen sich für eine Verwendung in Texten in Leichter Sprache weniger. Daherschwätzen z. B. ist abwertend. Wer dieses Verb gebraucht, sagt nicht nur aus, dass jemand redet, sondern drückt auch aus, dass er den Inhalt des Gesagten und/oder die Person, die redet, nicht schätzt. Die Bedeutung von daherschwätzen ist daher schwerer zu erfassen als die von Wörtern ohne negative Konnotation.

Mündlicher und schriftlicher Sprachgebrauch

Manche Vertreter eines Wortfelds werden nur im mündlichen oder nur im schriftlichen Sprachgebrauch verwendet. Labern z. B. ist ausschließlich im mündlichen Sprachgebrauch angesiedelt, verbalisieren dagegen im schriftlichen. Duden online stuft verbalisieren außerdem als bildungssprachlich ein. Beide Verben sind damit keine Hauptvertreter ihres Wortfelds.

Stilistisch auffällige Wörter

Auch stilistisch auffällige Wörter sind keine zentralen Vertreter eines Wortfelds. Häufig werden sie ferner nur im Mündlichen oder nur im Schriftlichen verwendet.

Bildliche Sprache

Die zentralen Vertreter eines Wortfelds kommen ohne Metaphorik, also ohne irgendwelche Bilder aus. Sich vom Acker machen ist z. B. weniger zentral als gehen. Ebenso verhält es sich mit rauslassen und sagen. Bildliche Sprache wird oft wörtlich verstanden und kann daher zu Missverständnissen führen. In Leichter Sprache sollte daher in der Regel auf Bildsprache verzichtet werden.

Kurze Wörter

Meist sind leichte Wörter auch kurz. Die zentralen Vertreter eines Wortfelds bestehen häufig aus nur zwei Silben: gehen, laufen, reden, sagen, sprechen.

Längere Wörter sind dagegen meist weniger zentral: spazieren, stolzieren, entgegnen, hinzufügen, daherschwätzen.

Ist ein Wort kurz, heißt dies jedoch nicht, dass es sich bei ihm um einen zentralen Vertreter und damit um ein leichtes Wort handelt. Tänzeln und labern z. B. sind schon allein aufgrund ihrer Frequenz keine Hauptvertreter ihres Wortfelds.

Vertretung von Wortfeldnachbarn

Zentrale Vertreter eines Wortfelds, wie sagen, reden und sprechen oder gehen und laufen, können viele andere Repräsentanten ihres Wortfelds ersetzen.

Sagen z. B. kann problemlos anstelle von nuscheln, stottern, aussagen oder hinzufügen verwendet werden, auch wenn dann bestimmte Komponenten, wie beispielsweise die der undeutlichen Aussprache, wegfallen. Umgekehrt ist dies jedoch nicht möglich, ohne dass es zu einer Verfälschung des Textes und seiner Aussage kommt.

Regional auffällige Wörter

Bei regional auffälligen Wörtern ist ganz besonders auf die Zielgruppe zu achten. Als regional stuft Duden z. B. daherschwätzen ein. Auch Semmel oder Schrippe sind Regionalismen. Richtet sich ein Text in Leichter Sprache ausschließlich an eine bayerische Zielgruppe, kann es sinnvoll sein, statt Brötchen Semmel zu verwenden, da es sich bei Semmel um das in Bayern häufigere Wort handelt. Befinden sich die Adressaten jedoch in Hamburg, wird man das Wort Semmel meiden. Während Semmel in Bayern als leichtes Wort anzusehen ist, ist es das anderswo nicht.

Fazit:

Wählt man seine Wörter bei einer Übersetzung in Leichte Sprache nach den oben genannten Kriterien aus, ist die Wahrscheinlichkeit, dass der so entstandene Text verstanden wird, besonders hoch.

Sich auf die zentralen Vertreter eines Wortfelds zu konzentrieren macht jedoch nicht immer Sinn. So kann z. B. sein, dass ein Text in Leichter Sprache auf eine bestimmte Komponente, wie z. B. die undeutliche Aussprache, die durch das Verb nuscheln hervorgehoben wird, nicht verzichten kann. Ebenso kann wichtig sein, dass jemand flüstert. Ein zentraler Vertreter, wie sagen, kann sich in diesem Fall als ungeeignet erweisen.

Im Falle von flüstern könnte man sich z. B. mit dem Adverb leise behelfen und in Leichter Sprache mit zwei Worten formulieren, was im Standarddeutschen mit nur einem Wort ausgedrückt wird:

er flüsterte > er sagte leise

In anderen Fällen wiederum sind evtl. zusätzliche Erklärungen nötig.

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