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11 Punkte, an denen du als Übersetzer erkennst, dass mit deiner Positionierung etwas nicht stimmt

Übersetzer und Positionierung

Eine gute Positionierung ist für jeden Freiberufler und jede Freiberuflerin wichtig. Dies gilt für Übersetzer und Übersetzerinnen genauso wie für andere Berufsgruppen. Wie du als Übersetzer bzw. als Übersetzerin erkennst, dass etwas mit deiner Positionierung nicht stimmt, erkläre ich dir in diesem Blogartikel.

11 Punkte, an denen du als Übersetzer merkst, dass du ein Problem mit deiner Positionierung hast

#1 Du schaffst es nicht, kurz und knackig zu formulieren, was du machst

Auf Networking-Events oder in Facebook-Gruppen gelingt es dir nicht, dich in einem kurzen Satz vorzustellen. Du sagst zum Beispiel nicht: “Ich helfe Winzern, an deutschsprachige Kunden und Kundinnen zu kommen, indem ich ihre Verkostungsnotizen und Websites vom Französischen ins Deutsche übersetze.” Und ebenso wenig: “Ich übersetze Reiseführer vom Englischen und Französischen ins Deutsche.” Stattdessen lautet dein Pitch: “Ich übersetze von Französisch, Englisch und Italienisch in Richtung Deutsch. Ich arbeite für die Automobilindustrie, fertige Übersetzungen für Notare und Anwaltskanzleien an und kenne mich im Bereich Buchhaltung gut aus. Da ich gerne häkle, übersetze ich auch Häkelanleitungen und als Feinschmecker auch Speisekarten. Ab und zu auch politische Reden, Hygienevorschriften für die Lebensmittelindustrie und Anleitungen für den Bau von Kernkraftwerken.”

Deinen Gesprächspartner hast du erst einmal erschlagen. Du bist für ihn Experte für alles Mögliche und damit für nichts. Statt sich mit dir zu unterhalten und dir Rückfragen zu stellen, zieht er an eurem Networking-Event zur nächsten Unternehmerin. Hängen geblieben ist nichts. Er weiß nicht, wofür du als Übersetzer DER Spezialist bist.

#2 Dein Umfeld weiß nicht, was du genau machst

Da du einen Bauchladen vor dir her trägst, weiß dein Umfeld nicht, was du eigentlich genau machst. Bist du nun die Übersetzungs-Expertin für Häkelanleitungen, für Anwälte, für Autohersteller, Steuerberater, für die Lebensmittelindustrie oder für Ingenieure im Bereich der Nuklearenergie?

Als Freelance-Übersetzer bist du wie andere Freiberufler auch auf Empfehlungen deines Netzwerks angewiesen. Wenn deine Bekannten und Kollegen jedoch nicht verstehen, wofür du die Spezialistin bist, wird es auch nichts mit den Weiterempfehlungen. Sich Häkelanleitungen, Speisekarten, Anwaltskanzleien, Automobilindustrie usw. zu merken ist ganz einfach nicht möglich.

Suchst du dir dagegen maximal drei Spezialgebiete aus, wird die Sache schon einfacher. Ich weiß z. B. genau, wer in meinem Netzwerk ausschließlich für Hersteller von Hunde- und Katzenfutter übersetzt. Oder welche Übersetzerin die Expertin für den Reitsport ist. Ich weiß, dass Susi auf die Erotikbranche, Petra auf Architektur und Anke auf Übersetzungen zu Nahrungsergänzungsmitteln spezialisiert ist.

Wenn ich von einem Übersetzungsprojekt im Bereich Sex höre, weiß ich, wen ich empfehlen kann: Übersetzerin Susi und nicht Bettina, die mit ganz anderen Hengsten beschäftigt ist. Im Bereich Wein dagegen hat mein Gehirn Carol abgespeichert. Wofür es Doris abspeichern soll, deren Business wie ein Tante-Emma-Laden funktioniert, weiß es nicht.

#3 Du wunderst dich, warum nur Spam den Weg in dein Postfach findet

Da deine Positionierung als Übersetzer nicht passt und du in keinem Bereich als Experte bekannt bist, herrscht in deinem Postfach gähnende Leere. Du ziehst viel zu wenig Kunden an, erstellst nur äußerst selten Kostenvoranschläge für Übersetzungsprojekte und arbeitest noch seltener an einer Übersetzung. Manchmal findet noch nicht einmal Spam den Weg in dein Postfach, so dass du dich ernsthaft fragst, ob mit deiner E-Mail-Adresse was nicht stimmt.

Mit deiner E-Mail-Adresse ist aber alles in Ordnung. Dein Problem ist deine fehlende Positionierung.

#4 Die falschen Kunden finden den Weg zu dir

Oder aber dir geht es ganz anders. Statt null Anfragen für Übersetzungsprojekte bekommst du jede Menge Anfragen, nur leider keine, die wirklich etwas für dich sind. Als Erotik-Übersetzerin Susi bekommst du z. B. E-Mails von Kunden, die Entsafter herstellen. Als Pferde-Expertin Bettina dagegen die Weinverkostungsnotizen, mit denen Carol happy wäre.

#5 Du weißt gar nicht, wie dein Traumkunde aussieht

Ist dein Traumkunde Arzt, Notar, Politiker, Historiker, Winzer, Ingenieur oder Anwalt? Ist er jung, alt, weiblich oder männlich? Arbeitet er als Freiberufler, Angestellter …? In welchem Land befindet er sich? Wie groß ist sein Unternehmen? Du hast keinen Plan!

Wer als Übersetzer nicht weiß, wie sein Traumkunde aussieht, wird nicht für ihn sichtbar sein, sein Marketing nicht auf ihn ausrichten können. Seit 2018 habe ich immer wieder Kundenmagnet-Kurse belegt. Und zwar bei verschiedenen Anbietern. Eine der ersten Aufgaben, die die Kursteilnehmer erledigen müssen, ist dabei immer, sich Gedanken über den Traumkunden zu machen, ja sogar ein möglichst genaues Profil zu entwerfen. Inklusive Haarfarbe, Hobbies, Familienstand.

#6 Du hast beständig Angst, Projekte zu verpassen

Du hast Angst, deinen Übersetzer-Bauchladen aufzugeben. So ging es mir jahrelang auch. Warum sich auf Ärzte als Kunden konzentrieren, wenn man auch für Immobilienhändler, Steuerberater, Hersteller von Photovoltaikanlagen, für Anwälte, Winzergenossenschaften, Kunstmuseen, Brauereien und Psychologen arbeiten kann?

Ganz einfach: Je größer der Bauchladen, desto kleiner der Bekanntheitsgrad des jeweiligen Übersetzers. Je größer der Bauchladen, desto weniger Kunden und Übersetzungsaufträge, die zu dir passen. Bietest du als Übersetzer dagegen nur wenig Fachgebiete an, signalisiert das dem Kunden, dass du genau der richtige Sprachmittler für ihn bist. Und eben nicht Susi, Petra oder Bettina. Und auch nicht Rolf, Dieter und Frank, um auch mal ein paar “Kerle” zu nennen. Schließlich gibt es ja durchaus auch männliche Übersetzer.

#7 Traffic auf der Website, aber keine Anfragen

Du hast auf deiner Website zwar einiges an Traffic, bekommst aber kaum Anfragen für Übersetzungen. Da du zu viel Verschiedenes anbietest, fühlt sich kein Kunde von deinem Angebot angesprochen. Stattdessen surft dein Traumkunde weiter zu Susi oder Dieter. Dass er dein Traumkunde ist, hat er nicht erkannt.

#8 Du bekommst keine Kunden über Social Media

Wie mit deiner Website verhält es sich auch bei denen Social-Media-Kanälen. Als Übersetzer verfügst du über eine Facebook-Seite, über ein Twitter-Konto, ein LinkedIn-Profil, ein Instagram-Konto, aber kein Kunde findet zu dir. Dies kann verschiedene Gründe haben: Du kommunizierst zu wenig, du kommunizierst zum falschen Zeitpunkt, in den falschen Gruppen … oder aber deine Positionierung als Übersetzer stimmt nicht.

#9 Du investierst sehr viel Zeit in Akquise

Dadurch, dass entweder keine Kunden oder nur die falschen Kunden den Weg zu dir als Übersetzerin finden, verbringst du einen Großteil deiner Zeit mit Akquise (oder aber damit dein Postfach anzustarren …). Oder drückst du dich auch darum, weil du wie viele Übersetzer-Kollegen Telefone hasst?

#10 Du arbeitest für Peanuts

Da du dich auf nichts spezialisiert hast, kannst du auch keine hohen Preise verlangen. Da du statt eines Expertenstatus ein Positionierungsproblem hast, dümpelst du bei maximal 40 € vor dich hin und ackerst, was das Zeug hält. Außer dein Partner bringt die Kohle für eure Brötchen heim, dann ackerst du vielleicht etwas weniger, verdienst dir aber nur ein Taschengeld.

#11 Du hast dich in einigen Punkten dieses Artikels wiedererkannt

Du hast meinen Blogartikel zum Thema Übersetzer und Positionierung bis zum Ende durchgelesen oder zumindest quergelesen und einige der erwähnten Punkte kommen dir sehr bekannt vor … Dann sei dir gesagt: Es ist nie zu spät, um sich klar zu positionieren. In Zeiten von maschineller Übersetzung, Monkeys, wirtschaftlicher Talfahrt usw. ist es sogar mehr als nötig.

Für deine Positionierung als Übersetzer ist es nie zu spät

Ich selbst habe meine Hauptzielgruppe erst nach sechs Jahren der Selbstständigkeit als Übersetzerin und Texterin gefunden und sage mittlerweile bei Networking-Events kurz und knapp: “Ich helfe Politikern und Politikerinnen, mit Wahlprogrammen in Leichter und Einfacher Sprache wirklich alle Wähler und Wählerinnen anzusprechen.”

Ob ich deswegen nur für Politiker arbeite? Nein. Aber zum Großteil. Als “Beifang” auf dem Gebiet der barrierefreien bzw. barrierearmen Kommunikation bekomme ich aber immer auch Anfragen für Projekte in anderen Bereichen, in denen ich ebenfalls arbeite, so sie mir Spaß machen und sie in meiner Kompetenz liegen.

Falls Susi, Petra und Dieter mehrere Experten für Leichte Sprache und mehrere Spezialisten für Einfache Sprache kennen und bei einem ihrer Networking-Events einen Politiker treffen, wissen sie allerdings, dass sie mich empfehlen und eben nicht eine meiner Kollegen bzw. Kolleginnen. Weil meine Positionierung klar ist.

Klar ist sie auch für meine Zielgruppe. Nach neun Monaten intensiven Marketings finden Parteien jetzt auch ganz von selbst ihren Weg zu mir. Zum Beispiel weil ich ihnen auf Facebook oder Twitter aufgefallen bin und mich ihre Parteivorstände aufgrund meiner Positionierung als die Expertin für Wahlprogramme in stark vereinfachter Einfacher Sprache oder in Leichter Sprache abgespeichert haben.

Also: Bring dich in Position wie der Pfau in diesem Artikel und zeig deinem Karpfenteich mit deinem ganz persönlichen Rad, was du am besten kannst. Ein Pfau bleibt immer in Erinnerung.

Foto: © Andrea Halbritter

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