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Was Curry mit Leichte-Sprache-Texten zu tun hat

Currypulver

Letzte Woche war ich auf dem Christkindlesmarkt: durch die Buden schlendern und Gewürze suchen. Dabei musste ich an Leichte Sprache denken. Warum erzähle ich dir in diesem kurzen Artikel:

Am Tag vor meinem Weihnachtsmarktbesuch hatte ich beim Kochen festgestellt, dass mein Currypulver sich dem Ende neigte. Und so freute ich mich, als ich nach 15 Minuten des Bummelns einen Gewürzstand erblickte.

Am Stand erblickte mein Auge zwei Päckchenreihen mit unterschiedlichem Currygewürz. Ich wusste nicht, welche Mischung ich auswählen sollte, und fragte die Verkäuferin: „Ich möchte Curry kaufen. Welche Mischung ist denn weniger scharf?“ Verkäuferin Nr. 1 sah mich an und antwortete: „Keine Ahnung!“ Hilfesuchend blickte sie zu Verkäuferin Nr. 2, die daraufhin äußerte: „Diese Mischung hier ist weniger scharf. Sie enthält kein Chili.“ Dabei deutete sie auf eine der beiden Reihen mit Currypulverpäckchen. Da ich die Zutaten schon vor meiner Frage studiert hatte, wusste ich, dass in beiden Mischungen Chili enthalten war. Da man mich offenbar nicht beraten konnte, setzte ich meinen Weg fort und kaufte … nichts.

Was meine Erfahrung auf dem Weihnachtsmarkt mit Leichte-Sprache-Texten zu tun hat, erfährst du jetzt:

Was Curry mit Leichte-Sprache-Texten zu tun hat

# Das Angebot an Currymischungen und Leichte-Sprache-Übersetzer*innen ist groß

Genauso wie es viele Currymischungen gibt, sind auf dem Übersetzungsmarkt zahlreiche Leichte-Sprache-Übersetzer*innen vorhanden. Bei der Vielzahl der Anbieter*innen weiß man als Kund*in daher zunächst einmal nicht unbedingt, wo man einen Kostenvoranschlag für einen Leichte-Sprache-Text anfordern soll. Tipps, die dir dabei helfen, deine*n Expert*in für Leichte Sprache auszuwählen, findest du in meinem Artikel Wie wählt man als Partei seine*n Übersetzer*in für Leichte Sprache aus? Der Beitrag richtet sich an Politiker*innen, gibt aber Hinweise, die auch für andere Personen interessant und nützlich sind.

#2 Kund*innen brauchen Beratung

Wer einen barrierefreien oder barrierearmen Text bestellen möchte, muss genauso beraten werden, wie Hobbyköche, die sich auf die Suche nach dem richtigen Currypulver machen. Was ist Leichte Sprache und was Einfache Sprache? Was versteht man unter Leichte Sprache Plus? Welche Sprachform braucht meine Hauptzielgruppe? Nicht alle Anbieter*innen sind in der Lage, ihre Kundschaft auch zu beraten. Woran das liegt? Ganz einfach: Viele Projektmanager*innen kleiner und größerer Agenturen verfügen nicht über eine Ausbildung in Leichter Sprache, bieten aber dennoch Leistungen in Leichter Sprache an. Im Prinzip handelt es sich um sogenannte Umtüter, die ihren Kund*innen Texte weiterreichen, ohne einen Mehrwert zu liefern. Von Leichter und Einfacher Sprache haben sie in der Regel genauso wenig Ahnung wie die Verkäufer*innen an meinem Gewürzstand. 

#3 Das falsche Produkt enttäuscht

Ein Text, der nicht zur Hauptzielgruppe passt, enttäuscht Auftraggeber*innen genauso wie das zu scharfe oder zu milde Currypulver. Manchmal bekommt die Kundschaft ein Produkt, das sie sich ganz anders vorgestellt hat: weil sie zum Beispiel Leichte Sprache bestellt, aber Einfache Sprache bekommen hat. Oder weil die Illustrationen nicht gefallen beziehungsweise schon bei der Bestellung Leichte und Einfache Sprache miteinander verwechselt wurden und keine kompetente Beratung stattgefunden hat.

 

Fazit: Bei der Auswahl deiner Expert*innen für barrierefreie Kommunikation solltest du es genauso halten wie ich am Gewürzstand: das Weite suchen, wenn die Person, die du kontaktiert hast, keinen Plan hat …

 

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