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Wie du als Übersetzer*in Konflikte mit Kund*innen vermeidest

In meinen Facebook-Gruppen für Übersetzer*innen und Texter*innen teilen Freiberufler*innen immer wieder die Konflikte und Probleme, die sie mit Kund*innen erleben, zum Beispiel:

“Ich habe mir für einen Übersetzungskunden 15 Stunden pro Woche reserviert. Die letzten zwei Wochen kam nichts rein und daher will er nun auch nichts bezahlen.”

“Für einen Neukunden habe ich 20 000 Wörter übersetzt, nun ist er abgetaucht. Er antwortet nicht mehr auf meine E-Mails und telefonisch erreiche ich auch niemanden. Wie bekomme ich jetzt das Geld für meine Übersetzung?”

“Hilfe! Ein Kunde von mir hat meine Übersetzung verändert. Im Text sind jetzt ganz viele Fehler und mein Name steht darunter.”

“Ein Kunde hat mir seinen Text mit drei Tagen Verspätung geliefert. Jetzt will er ihn trotzdem zum vereinbarten Termin. Dafür müsste ich aber am Wochenende arbeiten und das mache ich nicht ohne einen Zuschlag. Mein Kunde sieht das nicht ein.”

“Der Proofreader meiner Agentur hat in dem Text, den ich übersetzt habe, viel verbessert, was richtig war. Die Agentur hat mir deswegen mitgeteilt, dass man mir 20 % vom Preis abzieht.”

Während einige Übersetzer*innen Probleme geradezu anziehen, ist bei anderen alles in Butter. Was sind die häufigsten Konflikte, die in der Übersetzungsbranche mit Kund*innen auftreten und wie schafft man es, sie von vorneherein zu vermeiden?

In diesem Gemeinschaftsartikel bekommst du wertvolle Tipps von erfahrenen Übersetzer*innen, die dir dabei helfen, Konfliktsituationen mit Übersetzungskund*innen aus dem Weg zu gehen:

Wie du als Übersetzer*in die häufigsten Ursachen für Konflikte mit Kund*innen vermeidest

 

#1 Streitfall Copyright an der TM

 

Jacqueline Marcella Breuer

Jacqueline Marcella Breuer: “Vorsehen statt nachsehen sollte die Devise lauten.”

Jacqueline Marcella Breuer ist seit über 30 Jahren als Übersetzerin tätig. Ihre Muttersprachen sind Französisch und Deutsch, ihre Arbeitssprachen Italienisch, Portugiesisch und Englisch. Spezialisiert ist die in Hameln ansässige Sprachmittlerin auf Schienenfahrzeugbau, Ur-/Umform-, Füge- und Trenntechnik, Chemie/Gefahrstoffmanagement.

Translation Memories (TM) sind zweifach wertvoll: den generierten Mehrwert und die multilinguale Wissensmanagementlenkung betreffend. Die TM ist bei an Übersetzungsprozessen beteiligten Akteuren (Übersetzer*innen, Agenturen, Endverbraucher*innen) ein regelmäßig wiederkehrender Streitfall.

Das Argument der Übersetzenden gründet auf der persönlichen geistigen Schöpfung (Aufwand, Wissen), die hineingebracht wurde. Auftraggebende halten dagegen, dass sie den Ausgangstext erstellt und für den zielsprachlichen Output bezahlt haben (somit „automatisch“ auch ein Copyright am ZS-Output hätten). Agenturen machen ihren Anspruch mit Hinweis darauf, die Translation Memory erstellt zu haben und der Auftrag nehmenden Person lediglich für die Dauer der Projektabwicklung das Nutzungsrecht sozusagen „befristet“ übertragen haben, geltend.

Grundsätzlich sind 2 TM-Rahmenbedingungen zu unterscheiden:

Wurde im Fall 1 die TM für eine bestimmte Kundschaft durchweg von derselben Autorin erstellt und über lange Jahre eingesetzt/gepflegt oder im Fall 2 für ein bestimmtes Projekt von einer Agentur zur Verfügung gestellt und zahlreiche andere Übersetzer*innen haben bereits einen Beitrag daran geleistet.

Laut Aussage einer Fachanwältin für Copyright: Die Rechte „kleben“ am Urheber bzw. das Copyright ist nach deutschem Recht nicht veräußerbar.

In Fall 1 liegt das Urheberrecht bei der, die TM erstellende und pflegende Person. Lediglich Nutzungsrechte können eingeräumt werden (z. B. gegen Bezahlung einer „Nutzungsgebühr“). Die das Urheberrecht besitzende Person kann die Nutzungsbeschränkungen bestimmen (Nutzungsrecht, das erworben werden soll, ausdrücklich/vertraglich benennen).

In Fall 2 liegt das Recht bei der Agentur.

Neuerdings gibt es einen weiteren Streitpunkt: Urheberrecht bei Einsatz von Maschineller Übersetzung (MÜ).

Tipp aus der Praxis: Um Probleme oder Rechtsstreitigkeiten aufgrund des Urheberrechts an Translation Memories zu vermeiden, sind

– die eigenen AGB und Verträge so abzufassen (also VOR Eingehen eines Vertragsverhältnisses), dass die Verwertungs- und Nutzungsrechte eindeutig geregelt sind;
– im Angebot ausdrücklich zweierlei (quasi optierbar) Preise ausweisen (1x ohne Nutzungsrecht an der TM, 1x mit (Verweis auf Nutzungsbeschränkungen);
 –  bei Agenturen-TM, an denen mehrere Dienstleistenden mitwirken, die Haftung vertraglich auf die eigenen, nicht veränderte, Einträge beschränken;
 – bei MÜ – vorausgesetzt man ist alleiniger Autor  bzw. full postediting leistende Person – auch hier das Urheberrecht schriftlich regeln; zumindest Haftungsfragen für TM-Einträge regeln.

Grundsätzlich gilt: Vorsehen statt nachsehen.

Hinweis: Jacquelines Beitrag bezieht sich nur auf die Rechtslage in Deutschland. Anderswo kann diese ganz anders aussehen.

 

#2 Transparenz bei der Preisgestaltung vermeidet Konflikte

 

Petra Wagner und Lydia Molea

Petra Winter und Lydia Molea: “Transparenz ist wichtig!”

Die Übersetzerinnen Petra Winter und Lydia Molea arbeiten im Team. Gemeinsam bieten sie in Bad Kissingen Übersetzungen in den Sprachrichtungen Englisch-Deutsch und Deutsch-Englisch an. Die Spezialgebiete der beiden Sprachmittler*innen sind Wirtschaft/Finanzen, Recht und Psychologie.

“Zu teuer!” – das hören wir von potenziellen Kund*innen durchaus hin und wieder, jedoch entstehen tatsächliche Preiskonflikte eher, wenn der Preis vor der Beauftragung nicht verbindlich festgelegt wurde. Aus diesem Grund unterbreiten wir immer ein schriftliches Angebot und beginnen vor Erhalt einer schriftlichen Beauftragung, natürlich auch per E-Mail, nicht mit der Bearbeitung.

Um die Preise durchzusetzen hat es sich als zielführend erwiesen, bei den Angeboten mehr Transparenz einfließen zu lassen. Das heißt nicht, jedes Wort aufzuführen und die Preisgestaltung bis ins Genaueste darzulegen, aber dennoch nicht nur einen Pauschalpreis zu präsentieren. Wenn es sich bei der Anfrage zum Beispiel um ein Konvolut aus Urkunden und verschiedenen Zeugnissen für einen Bewerbungsprozess im oder aus dem Ausland handelt, hat es sich bewährt, die Preise für die einzelnen Urkunden, den Preis der Beglaubigungen und die zusätzlichen Kosten (z. B. Porto) einzeln aufzuführen, damit die Kundin oder der Kunde nachvollziehen kann, wie man zu dem Endpreis gelangt ist.

Bei Neukund*innen lohnt es sich, sich die Zeit zu nehmen, die Preisgestaltung näher zu erläutern, da die Erfahrung zeigt, dass – werden sie mal zu Stammkund*innen – sie den Preis nicht mehr in Frage stellen, weil sie wissen, dass sie sich auf die Leistung verlassen können. Natürlich wird es immer diejenigen geben, die endlos schockiert sind, weil sie nicht erwartet hätten, dass die Übersetzung eines dreiseitigen Schreibens mehr als 5 Euro kostet – da hilft dann auch die beste Erläuterung nicht weiter und eine Geschäftsbeziehung kommt nicht zustande.

 

#3 Für Übersetzungen auf realistischen Deadlines bestehen

 

Englisch-Deutsch-Übersetzerin Nicol Stälzle

Nicole Stälzle: “Ein großer Reibungspunkt ist der Faktor Zeit.”

Freiberuflerin Nicole Sälzle übersetzt in der Sprachrichtung Englisch-Deutsch. Zuhause ist Nicole im Großraum Augsburg-Ulm. Sie arbeitet insbesondere in den Bereichen Film und Fernsehen, Hotellerie und Tourismus.

Ein großer Reibungspunkt beim Thema Übersetzen ist oftmals der Punkt “Zeit”. Meiner Erfahrung nach nimmt es sich dabei nichts, ob es sich um Anfragen von Firmen, Agenturen oder Privatpersonen handelt.

Nun habe ich das Glück, dass ich sehr angenehme Stammkund*innen habe, die über ein gutes Zeitgefühl verfügen. Bei Neukund*innen muss ich zeitliche Erwartungen häufig erstmal dämpfen. Nein, 20.000 Wörter lassen sich nicht über Nacht übersetzen. Auch das anspruchsvolle Layout einer Urkunde lässt sich nicht per Fingerschnipp umsetzen. Diese Dinge brauchen Zeit.

Zeit, die wir Übersetzer*innen uns dann teilweise nachts, am Wochenende oder feiertags nehmen sollen. Besonders gern habe ich das natürlich dann, wenn eine Deadline vereinbart wird und der Text und/oder das Briefing nicht wie besprochen vorliegt, sondern ein oder zwei Tage vor der Deadline eintrudelt und dann plötzlich alles ganz schnell gehen muss. Auch wurden mir Briefings schon während der Arbeit komplett über den Haufen geworfen.

Inzwischen sichere ich mich als Übersetzerin gegen solche Fälle ab. Bis auf wenige Ausnahmen halte ich mir das Wochenende und Feiertage von Übersetzungen frei. Wer von Montag bis Freitag von früh bis spät Text sieht, braucht irgendwann Erholung. Bei der Vereinbarung einer Deadline setze ich zudem immer auch einen Termin an, bis wann der Text/das Briefing vorliegen müssen, damit ich die Deadline einhalten kann. Auch auf Vorkasse und das Recht, den Ausfall in Rechnung zu stellen, verzichte ich inzwischen nicht mehr. Das finde ich traurig, aber zu häufig wurden gebuchte Termine und meine für Aufträge reservierte Zeit mit Füßen getreten, als dass ich mir ein anderes Vorgehen leisten könnte.

 

#4 Zahlungsmodalitäten vor der Übersetzung klar festlegen

 

Leichte-Sprache-Übersetzerin Andrea Halbritter

Andrea Halbritter: “Rund um Zahlungsmodalitäten gilt es einiges abzuklären.”

Ich, Andrea Halbritter, arbeite in den Bereichen Erinnerungskultur, Tourismus, Gesundheit, Kunst und politische Bildung. Ich übersetze Texte vom Standarddeutschen in Leichte und Einfache Sprache sowie aus dem Französischen, in der Sprachkombination Französisch-Deutsch auch Weinverkostungsnotizen.

Glaubt man Übersetzer*innen-Gruppen in Social Media, kommt es vor allem bei der Bezahlung einer Übersetzung zu Konflikten mit Kund*innen. Wobei geht es bei diesen Konflikten, worum wird gestritten? Sehr oft ist das Zahlungsziel ein Streitpunkt. Nicht selten beklagen sich Sprachdienstleister*innen, dass eine Überweisung nicht zu dem von ihnen erwarteten Zeitpunkt eingegangen ist. Gräbt man dann als Freiberufler*in nach, erfährt man, dass das Zahlungsziel mit Kund*innen vor Auftragsannahme nie Thema war. Während in Deutschland viele Unternehmen Rechnungen quasi sofort bezahlen, ist dies in anderen Ländern schlicht und ergreifend nicht üblich. Französische Kund*innen zum Beispiel gehen häufig von weit längeren Zahlungsfristen aus, die locker 45 Tage und mehr betragen können. Größere Unternehmen wiederum haben feste Abläufe und bezahlen ihre Dienstleister*innen einmal im Monat immer am selben Tag und brauchen die Rechnung ihrer Übersetzer*innen, damit dies möglich ist, auch zu einem fixen Termin.

Bisweilen birgt auch die Zahlungsmethode Konfliktpotenzial. Nicht nur das Zahlungsziel, sondern auch wie du bezahlt werden möchtest, solltest du als Übersetzer*in vorher mit dem Kunden schriftlich abklären und zwar ganz besonders wenn der Übersetzungskunde nicht in der EU angesiedelt ist. Akzeptierst du als Sprachdienstleister*in nur Banküberweisungen oder auch Verrechnungsschecks, Bezahlungen via PayPal, Kreditkarte, Skril, TransferWise …?

Außerdem: Sind bei größeren Projekten Teilzahlungen vorgesehen, erstellst du zum Beispiel am Ende jedes Monats eine Rechnung über die bis dahin übersetzten Texte oder erst nach Abschluss des gesamten Übersetzungsprojekts? Was passiert, wenn der Kunde eine Teilzahlung nicht leistet? Übersetzt du das Projekt trotzdem zu Ende oder stellst du die Arbeit ein, bis die Zahlung bei dir eingegangen ist?

In welcher Währung möchtest du bezahlt werden? Wer kommt für die Kosten auf, die unter Umständen bei Auslandsüberweisungen oder Überweisungen via PayPal entstehen? Teilst du dir die Kosten mit deinen Übersetzungskund*innen oder müssen sie von Unternehmen, die dich beauftragen, ganz allein getragen werden? Besonders Übersetzungsagenturen versuchen immer wieder, mindestens die Hälfte der Kosten auf ihre Übersetzer*innen abzuwälzen. Ich persönlich akzeptiere dies nicht, sondern erwarte, dass meine Kund*innen diese Kosten zu 100 % übernehmen.

Wie braucht dein Kunde die Rechnung für deine Übersetzungsleistungen? Per E-Mail als PDF, per Post (ja, das gibt es auch noch) …? Musst du die Rechnung als Übersetzer*in auf irgendeinem Portal hochladen, damit sie bezahlt wird?

Du siehst: Um Konflikte und böse Überraschungen zu vermeiden, gilt es, im Vorfeld einiges abzuklären. Am besten erwähnst du alle diese Punkte in deinem Angebot, auch wenn du vielleicht Allgemeine Geschäftsbedingungen hast. Denn – seien wir ehrlich – wer liest sich die schon durch?

#5 Ein gutes Erwartungsmanagement erspart bei Übersetzungen Konflikte

 

Übersetzerin Sarah Swift

Sarah Swift: “Die Erwartungsschere geht oft weit auseinander.”

Irin Sarah Swift hat das oberfränkische Bamberg zu ihrer Wahlheimat erkoren. Die Freelance-Übersetzerin arbeitet in der Sprachrichtung Deutsch-Englisch. Die Spezialgebiete der englischen Muttersprachlerin sind Geschichte, Politik und Bildung.

Eigentlich ist es einfach: Eine Seite wünscht eine Übersetzung, die andere einen Übersetzungsauftrag. Beide Seiten schließen einen Werkvertrag ab (da nur interessiert, was hinten rauskommt, das Werk und nicht der Weg) und die Arbeit beginnt. Alles in Butter? Das Werk steht im Mittelpunkt, die Kundschaft will nicht dazwischenfunken, wir können als Sprachdienstleister*innen gemütlich im Verborgenen vor uns hin werkeln und schließlich das fertige Werk auftischen?

Naja. Die Frage ist eben, ob unsere Vorstellungen den kundenseitigen Erwartungen und Bedürfnissen tatsächlich entsprechen oder ob die Erwartungsschere doch irgendwo auseinandergeht und unser Werk womöglich ein Flop wird beziehungsweise es zu unvorhergesehenen Konflikten kommt.

– Aufträge, wie „Übersetzen Sie Homepage x mit allen Unterseiten“, sind notorisch schwammig, also lassen wir uns als Übersetzer*in besser sämtliche Texte zuschicken.

– Gern kommen dabei die falschen Dateien, Dateiversionen oder Dateiformate (oder auch mal ein bereits übersetzter Text) bei uns Übersetzer*innen an, während Vorgaben, Referenztexte oder Glossare ausbleiben. Dafür können wir als Sprachmittler*innen nichts, aber es bringt Karmapunkte, wenn wir die Unstimmigkeiten aufdecken.

– Haben wir endlich den hoffentlich richtigen Text in der richtigen Version und Format, können wir unser CAT-Tool damit füttern. Hier lauern bereits die nächsten Missverständnisse: Mal zählt das Tool inzwischen längst gelöschte Textpassagen, die nicht übersetzt werden sollen, mal übersieht es Texte in eingebetteten Dateien oder Bildern. Wir sehen als Übersetzer*innen nicht unbedingt, was der Kunde sieht. Analysen sind mit Vorsicht zu genießen.

–  Danach machen wir den Auftrag dingfest und beginnen zu übersetzen. Aber weiß der Kunde eigentlich, dass das dauern kann oder hat er unrealistische Zeitvorstellungen, die vielleicht sogar durch uns Übersetzer*innen genährt wurden?

– Sind wir aus unserer Sicht mit der Übersetzungsarbeit fertig, sieht die Kundschaft das hoffentlich genauso. Manche Kund*innen haben nämlich ganz andere Erwartungen und stellen zum Beispiel entsetzt fest, dass ihre übersetzten Texte ja gar nicht online sind oder sie sich noch nicht im Endlayout für den Druck befinden. Liefern wir als Übersetzer*innen nur den “Dateihaufen”, den wir auch bekommen haben (zwar übersetzt, aber nicht bereits weiterverarbeitet, in fertigem Layout …), sagen wir das besser rechtzeitig.

Erwartungsmanagement ist vor, während und nach dem Auftrag nötig, um Konflikte zwischen Übersetzer*innen und Kund*innen nicht aufkommen zu lassen.

 

 

#6 Umgang mit Änderungswünschen und Korrekturen an der Übersetzung

 

Rea Gutzwiller

Rea Gutzwiller rät Übersetzer*innen dazu, auf Änderungswünsche nicht vorschnell zu antworten.

Übersetzerin Rea Gutzwiller stammt aus Basel und überträgt französische, englische, italienische und spanische Texte ins Deutsche für die Schweiz. Spezialisiert ist die Freelancerin auf Mode/Textil, Lebensmittel/Gastronomie, Tourismus und erneuerbare Energien.

Manchmal kommt es vor, dass ein Kunde nach der Lieferung noch Änderungen oder Korrekturen anbringen möchte oder Kritik an der Übersetzung äußert. Leider führt dieser Punkt immer wieder zu Konflikten zwischen Übersetzer*innen und Kund*innen. Warum nur? Muss das sein?

Erstens kratzt Kritik am Ego. Zudem ist das Einarbeiten von Änderungen oder Korrekturen möglicherweise mit viel Zeitaufwand verbunden. Schließlich hat man ja (oder zumindest hoffentlich) alles darangesetzt, eine einwandfreie Übersetzung zu liefern. Man hat sich als Übersetzer*in viel dabei überlegt, recherchiert und daran gefeilt, bis alles perfekt passte. Und jetzt kommt der Kunde und zieht die Übersetzung durch den “Dreck”.

Natürlich ist es nicht so, dass jede Kritik immer angebracht ist, manchmal haben die Kund*innen auch falsche Ideen oder Vorstellungen, wie die Übersetzung auszusehen hat, vielleicht haben sie auch vergessen, ein Glossar mitzugeben usw. Stopp, diese Gedankengänge führen nicht weiter!

Was kann ich als Übersetzer*in tun, damit Kritik nicht zum Konflikt wird?

Erster und wichtigster Punkt: Die Kritikpunkte genau analysieren und falls sie sich nicht in Nullkommanichts lösen lassen, dem Kunden mitteilen, dass man sich der Sache annimmt.

Unbedingt vermeiden: Als Übersetzer*in allzu schnell launisch antworten. Dann einfach einmal zurücktreten und die Sache objektiv betrachten. Stimmt die Kritik? Habe ich vielleicht doch etwas übersehen? Was kann ich tun, um den Kunden dennoch zufriedenzustellen? Kann ich nachbessern und einen Rabatt anbieten? Wie kann ich solche Probleme in Zukunft vermeiden? Dazu gehören beispielsweise ein weiterer QA-Schritt oder mehr eingeplante Zeit.

Was aber, wenn die Kritik nicht angebracht ist? Dann ist es am besten, man erklärt dem Kunden sachlich und detailliert, warum man sich für einen bestimmten Begriff entschieden hat und nicht für einen anderen. Bedenkt, wir sind Profis. Wenn ich den Klempner anrufe, weil das neu montierte Waschbecken ein Leck hat, schnauzt er mich auch nicht an, sondern kommt vorbei und behebt den Mangel. Falls nicht, habe ich den falschen Klempner gewählt.

#7 Ein klares Nein, wenn die Wertschätzung fehlt oder das Projekt nicht passt

Übersetzerin Luisa Callejón

Übersetzerin Dr. Luisa Callejón: “Hört im Kund*innenkontakt auf euren sechsten Sinn!”

 

Freiberuflerin Dr. Luisa Callejón ist in Berlin als Übersetzerin und Dolmetscherin tätig. Luisa übersetzt in der Sprachrichtung Deutsch-Spanisch, wobei sie auch beeidigt ist. Ihre Spezialgebiete sind Recht, Medizin, Medien und Tourismus.

Nein zu sagen, will gelernt werden. Es zu lernen, lohnt. Denn ein Nein an der richtigen Stelle und zum richtigen Zeitpunkt wirkt Wunder. Es kann befreiend sein und gleichzeitig die Beziehungen vorantreiben. Das gilt  im Privatleben und noch mehr im Umgang mit schwierigen Kund*innen.

In den inzwischen fast 20 Jahren meiner beruflichen Selbstständigkeit als Sprachdienstleisterin bin ich auf ganze fünf Kund*innen unterschiedlicher Größe bzw. Bedeutung für mein Geschäft gestoßen, mit denen ich eine Weile hadern musste, bis ich es schaffte, nein zu sagen. Mit unterschiedlichem Ausgang.

Bei einer Kundin habe ich als Übersetzerin nach der ersten persönlichen Begegnung von einer weiteren Zusammenarbeit abgesehen. Es handelte sich um eine Rechtsanwältin, für die ich bereits mehrere Übersetzungsaufträge zur gegenseitigen Zufriedenheit erledigt hatte. Als ich vor ihr in ihrer Kanzlei saß, war mir schnell klar, dass ich nicht weiter für sie übersetzen wollte. Ihr Verhalten mir gegenüber war dermaßen herablassend, dass ich auf meinen sechsten Sinn hörte, der mir davon abriet, weiter mit ihr zusammenzuarbeiten. Konflikte zwischen uns wären andernfalls vorprogrammiert gewesen.

2007 hatte ich eine Privatkundin, deren umfangreiche Aufträge eine erhebliche finanzielle Bedeutung für mich hatten. Als ihre Zahlungsmoral anfing nachzulassen und Rechnungen nicht mehr pünktlich bezahlt wurden, habe ich  nein gesagt und die Zusammenarbeit mit dieser Übersetzungskundin beendet. Wenn die Wertschätzung fehlt – und hierzu zählt auch die pünktliche Begleichung von Rechnungen –, sollte man als Übersetzer*in rechtzeitig den Absprung schaffen, um aufkommende Konflikte rechtzeitig zu umschiffen.

Nein sagen sollten Übersetzer*innen aber nicht nur zu Kund*innen, mit denen sie nicht gern zusammenarbeiten, sondern auch zu Projekten, die aus irgendeinem Grund nicht passen: zum Beispiel, weil es sich nicht um das eigene Fachgebiet handelt, der Preis nicht stimmt, die Abgabefrist zu kurz ist usw.

 

#8 Als Übersetzer*in abklären, an welche Zielgruppe sich der Text richtet

 

David Krásenský Übersetzer Dolmetscher Logistik Eisenbahnwesen

David Krásenský: “Es ist sehr wichtig abzuklären, an wen sich ein Text richtet.”

Die Arbeitssprachen von Diplom-Ingenieur Dávid Krásenský sind Deutsch, Tschechisch, Slowakisch, Englisch und Polnisch. Der Wahl-Wiener ist nicht nur Bahnexperte, sondern übersetzt auch auf den Gebieten Logistik und Informatik.

Die schwerwiegendsten und häufigsten Missverständnisse entstehen bei Übersetzungen in Bezug auf Terminologie und Übersetzungsstil. Die wichtigste Frage lautet: Wie sieht das Lesepublikum aus, um welche Zielgruppe handelt es sich? Für wen ist der Text bestimmt?

Unter meinen Kund*innen befindet sich ein Unternehmen aus dem Bereich der Ophthalmologie – es geht in den für diesen Kunden angefertigten Übersetzungen um Technik, Untersuchungsgeräte, Materialien, Behandlungsvorgänge. Manchmal ist die Aufteilung relativ einfach – die Operationsprozedur oder Bedienungsanleitung für das Gerät und seine Software richten sich an Ärzt*innen, die grafisch gefälligen Infoblätter sind dagegen für Laien-Patient*innen gedacht.

Manchmal ist die Situation für mich als Übersetzer aber nicht so eindeutig: Ist der Flyer beziehungsweise die Broschüre für die Intrakularlinsen für Patient*innen oder aber für Ärzt*innen bestimmt? Von der Zielgruppe hängen Terminologie und Stil der Übersetzung ab. Als Sprachmittler muss ich frühzeitig abklären, an wen sich der Text richtet. Unterlasse ich das, sind Konflikte mit dem Kunden vorprogrammiert und es ergeben sich unter Umständen peinliche Missverständnisse.

Die Devise für Übersetzer*innen lautet also: kommunizieren, kommunizieren, kommunizieren.

 

 

Wie du als Übersetzer*in Konflikte mit Kund*innen vorbeugst (Zusammenfassung)

Wenn du als Übersetzer*in immer wieder Konflikte mit Kund*innen hast, liegt dies vermutlich an einem oder mehreren der folgenden Punkte:

– Du weißt nicht wirklich, WIE du als Übersetzer*in mit deinen Kund*innen zusammenarbeiten willst.

– Du machst deinen Kund*innen keine genauen Vorgaben, nimmst das Ruder als Sprachdienstleister*in nicht in die Hand.

– Deine Kommunikation ist nicht eindeutig, du vermittelst deinen Übersetzungskund*innen keine genauen Abläufe.

– Du arbeitest mit Kund*innen, die eigentlich nicht zu dir passen, bzw. hast dir nicht überlegt, wie deine Traumkund*innen aussehen.

– Du hast dein Angebot als Übersetzer*in nicht genau definiert bzw. vermittelst es deinen Kund*innen nicht klar genug.

 

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Fotos: © Jacqueline Marcella Breuer, Petra Winter, Lydia Molea, Nicole Sälzle, Andrea Halbritter, Sarah Swift, Rea Gutzwiller, Dr. Luisa Callejón, Dávid Krásenský

 

 

 

 

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